Tabula Burgenlandensis – Geschichte in Kartenbildern

Tabula Burgenlandensis – Geschichte in Kartenbildern
Tabula Burgenlandensis Karte von Sambucus

Tabula Burgenlandensis Karte von Sambucus

Dem Landesmuseum Burgenland ist wieder eine spannende und hoch interessante Ausstellung geglückt. In der Sonderausstellung „Tabula Burgenlandensis“ – Das Burgenland und seine Geschichte in Kartenbildern – wurde die Entwicklung und die Geschichte des burgenländischen Raumes von der Jungsteinzeit bis zur Gegenwart mit interessanten Kartenwerken, die in dieser Form noch nie der Öffentlichkeit zugänglich waren, anschaulich und professionell erarbeitet.

Karten dienen zur Orientierung, zur Dokumentation von Herrschafts- und Besitzverhältnissen und geben in höchst informativer Art Informationen über die abgebildeten Landschaften. Sie erzählen aber vor allem die Geschichte der abgebildeten Regionen und den Veränderungen im Laufe der Zeit. Und hinter all diesen Karten stehen Menschen, die in diesen Gegenden zu den unterschiedlichsten Zeiten gelebt und die Geschichte gestaltet haben.

Tontafeln aus der Zeit um 3800 v. Christus waren die ersten kartografischen Dokumente. Später wurden die Tontafeln durch Papyrus oder Pergament ersetzt. Die Erfindung des Buchdrucks verhalf auch den Kartografien bei ihrer Verbreitung.

Die „Tabula Peutingeriana“ ist die erste Darstellung des burgenländischen Raumes auf Pergament.

In Antwerpen wurde im Jahre 1579 die erste Karte, auf der das Gebiet des heutigen Burgenlandes im größeren Maß erkennbar ist, im Ortelius-Atlas abgedruckt. Erstellt wurde dieses Kartenwerk von Johannes Sambucus, einem Arzt, humanistischem Philologen, Dichter und Kunstsammler.

Die erste umfassende Landesaufnahme fand unter Maria Theresia und Joseph II statt.

Carl Johann Kipferling erstellte 1803 Karten der Komitate Wieselburg, Ödenburg und Eisenburg.

Als Basis für heutige Karten dient die Franzisko-Josephinische Landesaufnahme aus den Jahren 1870 bis 1880.

[nggallery id=144]Seit damals wurden die Messverfahren immens verfeinert und ab 1993 wurde auf digitale Bearbeitung umgestellt.

Ein Überblick über die Methodik der Vermessung und ausgestellte Vermessungsgeräte runden diesen Ausstellungsblock ab.

Herr DI Thomas Zalka und seine Schüler der HTL Pinkafeld bereiteten diesen Ausstellungsteil auf und kümmerten sich um die Organisation der Vermessungsinstrumente.

[nggallery id=143]Im zweiten Teil der Ausstellung wird mit zahlreichen Themenkarten, Fotobildern und Grafiken in anschaulicher und nachvollziehbarer Form die Geschichte des burgenländisch-westungarischen Raumes dargestellt und von der Urgeschichte bis in die Jetztzeit lebendig. Kurze Texte erklären die ausgestellten Objekte und erläutern die ausgestellten Kartenwerke.

Der Urgeschichte ist eine Vitrine gewidmet. Fundstücke aus Keramik aus der Jungsteinzeit, ein frühneolithisches Hängegefäß, eine Lochaxt, eine Kreuzfußschale und die kleine Leithaprodersdorftasse aus Siegendorf aus der Kupferzeit zeugen von der frühen Besiedelung der Region.

Die Bronzezeit veränderte das Leben der Menschen. Metallwerkzeuge ersetzten die Steinwerkzeuge. Mithilfe der neuen Werkzeuge konnten die Böden besser bearbeitet und Wälder gerodet werden. Es entstand eine kriegerische Oberschicht, die den Bauern und Händlern, gegen Abgaben, Schutz bot. Ausgrabungen aus dieser Zeit wie z.B. ein Tierkopfgefäß oder ein Pferdchenanhänger beweisen den Wohlstand in der damaligen Zeit.

Zwischen dem 5 Jahrhundert bis zum 1 Jahrhundert wanderten aus dem Norden her die Kelten ein und besiedelten das gesamte Burgenland. Es kam zu tiefgreifenden wirtschaftlichen Veränderungen. Holzräder wurden mit Eisen beschlagen, eiserne Pflugscharen und die Verwendung von Sensen ermöglichten bessere Ernten. Stämme schlossen sich zusammen, Handelswege wurden ausgebaut, das erste Staatswesen entstand. Die eisenzeitliche Metallerzeugung spielte eine wichtige Rolle. Tausende Schmelzplätze wurden entdeckt und Schmelzöfen aus dieser Zeit ausgegraben. Die entstandenen Eisenprodukte wurden über die ausgebauten Handelsstraßen in andere Gebiete gehandelt.

Um Christi Geburt wurde diese Kultur durch die Okkupation durch die Römer beendet. Die selbstständige Provinz Pannonien wurde gegründet und die innenpolitische Entwicklung verlief in den nächsten 150 Jahren relativ ruhig. Neue Bevölkerungsgruppen wurden angesiedelt, Gutshöfe wurden in regelmäßigen Abständen voneinander angelegt, Poststationen errichtet und entlang der ausgebauten Straßen entstanden florierende Städte. Von dem regen Handel und der ertragreichen Bewirtschaftung der Äcker zeugen die zahlreichen ausgestellten Ausgrabungsgegenstände. Ausgestellt sind auch so Luxusgegenstände wie Kleiderfibeln, ein Spiegel aus Goldblech oder ein gedrehter Armreif. Die ersten Straßenkarten entstanden, auf denen die wichtigsten Raststationen und die Entfernungen in Meilen angegeben waren.

Mit dem Einfall der Hunnen in Mitteleuropa war das Ende der römischen Herrschaft in Pannonien angebrochen.

Eine eigene Ausstellungsvitrine widmet sich der Zeit der Völkerwanderung. Hunnen, Langobarden, Awaren und Franken hatten in den nächsten Jahrhunderten die verschiedensten Gebiete in ihrem Machtbereich. Zahlreiche Funde zeugen von kriegerischen Auseinandersetzungen. Lanzen, Speere und der „Ango“, ein Wurfspieß werden ebenso ausgestellt, wie gefundene Toiletteartikel, die als Grabbeigaben dienten. Von 800 bis um 900 erlebten die pannonischen Grafschaften unter den Franken einen immensen Aufschwung. In der Schlacht zu Pressburg unterlagen die Franken den Magyaren und im Laufe der Zeit wurden die Leitha, die Lafnitz und die March zu den neuen Grenzen, die, bis auf kleinere Verschiebungen, bis 1921 gültig waren.

Das Gebiet des heutigen Burgenlandes wurde Teil des mittelalterlichen ungarischen Staates. Unter dem ungarischen König Stephan dem Heiligen entwickelte sich Ungarn zu einem christlichen Königreich. Auch holte er in das dünn besiedelte Land fremde Gastsiedler, die im Vergleich zu den Einheimischen bestimmte Vorrechte und den Schutz des Königs besaßen. Unter König Béla IV. wurde ein Burgbauprogramm gestartet. Bis zum Jahre 1270 entstanden rund 100 Burgen, die die Landesverteidigung übernahmen. Ein Adelsgeschlecht, die Mattersdorf-Forchtensteiner begannen um 1300 mit der Errichtung eines Wohnturmes in Forchtenstein. Ihr Wappen wurde zum Hauptbestandteil des neu geschaffenen Burgenländischen Landeswappen. Nach dem Tod des letzten Mattersdorf-Forchtensteiners ging die Burg in den Besitz der Habsburger über. In der Ausstellung sind so wertvolle Gegenstände wie die Münze mit dem Porträt des Ungarnkönigs Stephan, das Siegelabdruck des Grafen von Mattersdorf und eine Schenkungsurkunde Kaiser Friedrichs III über mehrere Weingärten zu besichtigen.

Als die Osmanen 1526 das ungarische Heer vernichtend schlugen, fiel das letzte Bollwerk Mitteleuropas gegen die Türken. Zahlreiche größere und kleinere Schlachte sind aus dieser Zeit in Bildern festgehalten. Das ausgestellte Kriegsmaterial, wie z.B. Spieße und Morgensterne zeugen von den blutigen Ereignissen. Im 16. und 17. Jahrhundert konvertierten viele Ungarn zum Protestantismus. In den darauffolgenden mehr als wechselhaften Machtverhältnissen, war die Bevölkerung immer wieder Plünderungen und mordenden Heeren ausgesetzt. Deutsch war bis ins späte 19. Jahrhundert in Deutsch-West-Ungarn Amtssprache. Mit dem Nationalitätengesetz von 1868 wurde Ungarisch als Amtssprache festgelegt.

Am Ende des Ersten Weltkrieges zerbrach die Österreichisch-Ungarische Monarchie. Damit wurde für die deutsche Bevölkerung Westungarns die Frage der zukünftigen Staatszugehörigkeit wieder aktuell. Nach langwierigen Verhandlungen wurde 1921 das Burgenland Österreichs neuntes Bundesland. Während der Zeiten des Nationalsozialismus war das Burgenland auf zwei Gaue aufgeteilt und erst nach Ende des Krieges wurde es wieder zu einer Einheit. Die geringe Investitionstätigkeit erhöhte die Arbeitslosigkeit und erst nach dem Ende der sowjetischen Besatzung war ein wirtschaftlicher Aufschwung vorhanden. Eines der wichtigsten Ereignisse war das Durchschneiden des Eisernen Vorhanges im Jahre 1989. Als Österreich der Europäischen Union beitrat, erschloss sich für das Burgenland die Chance, die Entwicklungsrückstände als Grenzland am eisernen Vorhang schnellstens aufzuholen.

[nggallery id=145]Grundlage zu dieser Ausstellung ist der neuerstellte „Historische Atlas Burgenland“, der jedes Kapitel zu einem Nachschlagwerk für Geschichte, von der Jungsteinzeit bis in die Gegenwart, macht.

Diese Ausstellung zeigt wieder, dass auch Geschichte nicht nur lehrreich sondern auch spannend aufbereitet werden kann und hilft durch die ausgestellten Karten diese besser zu verstehen.

Tipp: Eine spezielle „Mitmach-Führung“ für Kinder von sechs bis 12 Jahren eröffnet eine spannende Erkundungstour für die kleineren Ausstellungsbesucher.

Wer nach all den sehenswerten Ausstellungsobjekten noch Kraft genug hat, kann sich einer Themen- oder Mitmach-Führung durch das Erd- und Obergeschoss anschließen.

Tabula Burgenlandensis

Ausstellungsdauer: 10. Februar bis 28. Mai 2012
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag & Feiertag 9:00 bis 17:00 Uhr

Landesmuseum Burgenland
Museumgasse 1-5
7000 Eisenstadt

www.landesmuseum-burgenland.at

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