Verwaltete Kindheit – Der österreichische Heimskandal

Gewusst hatte man es bereits in den 1970er-Jahren. In etlichen österreichischen Heimen herrschte ein Regime mit Sadismus und ausufernder Gewalt.

Es dauerte Jahrzehnte, bis das Schweigen gebrochen wurde und sich dieser Skandal nicht mehr unter den Teppich kehren ließ.
Richter, Gutachter, Jugendwohlfahrt, Ärzte, Polizei, Politiker, Verwaltung, Kirche, Gewerkschaft – involviert und wissend – denunzierten mögliche Aufdecker und setzten sämtliche ihnen zur Verfügung stehende Hebel in Bewegung, Wissende und Betroffene mundtot zu machen.
Georg Hönigsberger und Irmtraud Karlsson zeigen in ihrem Buch „Verwaltete Kindheit – Der österreichische Heimskandal“ auf, wie rund 100.000 Kinder in Heimen seelisch und körperlich dahinvegetierten, sexuell missbraucht und gedemütigt wurden.
In dem Buch kommen rund 200 der Betroffenen zu Wort, erzählen über die damaligen Zustände und die daraus entstandenen menschlichen Tragödien.
Erst ein weltweiter Medienaufschrei brachte das „soziale“ Wien dazu, eine Untersuchungskommission zu gründen, um den Psychoterror und die Gewaltorgien im Kinderheim am Wilhelminenberg zu untersuchen. Bis heute warten Betroffene darauf, dass Verantwortliche einen würdevollen Umgang mit der Vergangenheit zeigen und wenigstens eine Entschuldigung verlauten lassen.

Ein Buch, das schaudern lässt und trotzdem nur die Spitze des Eisbergs zeigt. Nach wie vor spielen Jugendwohlfahrt, Gerichte, Gutachter mit Kinderschicksalen „Russisches Roulett“, sogenannte „Kollateralschäden“ können vorkommen, so die Originalaussage einer Richterin. Der Filz ist nach wie vor viel zu dicht – die Wahrheit kommt nur tröpfchenweise und gefiltert ans Licht.

Verwaltete Kindheit
Der österreichische Heimskandal
Georg Hönigsberger/Irmtraut Karlsson
Kral-Verlag
ISBN: 978-3-99024-189-9
UVP 26,90 Euro  3990241893