Kopenhagen – Zu Besuch in der südlichsten Hauptstadt des Nordens

Kopenhagen – Zu Besuch in der südlichsten Hauptstadt des Nordens

Dass Kopenhagen Liebe auf den ersten Blick war, wäre schlicht und feinfach gelogen. Wobei, um ganz ehrlich zu sein, wir waren daran nicht ganz unschuldig. Man soll halt, aus lauter Bequemlichkeit, gute Ratschläge von wohlwollenden und vor allem wissenden Mitmenschen nicht ignorieren, sondern wohlweislich befolgen.

Aber schön langsam und von Anfang an. Als „gebrannte“ WoMo Fahrer legten wir unseren Aufenthalt in Kopenhagen so an, dass wir am Sonntag ankommen wollten, da wir keinen Platz reserviert hatten und die Chance größer ist, dass viele Besucher oder Besucherinnen am Sonntag abreisen.

Kopenhagen_©V.Holzinger

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Schon auf der Autobahn begann das Dilemma. Halb Dänemark wollte aus der Stadt, der Rest hinein. Reifenumdrehung um Reifenumdrehung rollten wir zwar in der Kolonne, aber die Durchschnittsgeschwindigkeit erreichte nie mehr als 30 km/h.

Da wir ja flexibel sind und wir uns nicht weiter stauen wollten, gaben wir flugs den nächstgelegenen Campingplatz ins Navi ein und nahmen die entsprechende Ausfahrt.
Ohne größere Probleme erreichten wir den DCU Camping Absalon, der in Gehentfernung über einen Zuganschluss nach Kopenhagen verfügt. Der optische Eindruck war voll in Ordnung. Also ab in die Rezeption und um einen Platz gefragt. Die Mitarbeiterin am Empfang hatte ein Plätzchen für uns und fragte nach der Campingcard.

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Wir präsentierten stolz unsere Camping Key Europe, die, so die Theorie, als Identitätsnachweis international anerkannt wird. Offizielle Definition: „Sie ersetzt vollständig die ehemalige „Camping Card Scandinavia“. Camping Key Europe (CKE) wurde von führenden Verbraucherschutz- (ADAC und ANWB) und Campingplatzbetreiberverbänden (den vier Verbänden des Nordic Camping Council aus Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland) gemeinsam entwickelt. Die Idee war, eine praxisorientierte, marktgerechte Karte von Experten für Camper zu schaffen und Ihnen als Gast ein optimales Campingerlebnis zu bieten. Mit der Camping Key Europe (CKE) wird Ihr Campingurlaub einfacher, günstiger und sicherer.“

Kopenhagen_©V.Holzinger

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Wie gesagt – alles Theorie. In der Praxis sah es dann so aus, dass die Karte nicht anerkannt wurde und uns nur gegen Kauf einer dänischen Campingkarte ein Platz zugewiesen werden könne. Wir nahmen das Angebot nicht an und beschlossen, den offiziellen Stellplatz Kopenhagens anzusteuern.

Der Stellplatz und die Umgebung ist, gelinde gesagt, einfach potthässlich. Zwar ist es nicht weit zum Bahnhof und damit zur Stadt, aber mehr als eine Nacht wollten wir dort sicher nicht bleiben.

Eine große Beratschlagung folgte. Bleiben wir eine Nacht und machen Kopenhagen im Schnelldurchgang, suchen wir uns ein Plätzchen für eine Nacht, wo man frei stehen kann, oder fahren wir gleich nach Malmö weiter oder hören endlich auf den gut gemeinten Ratschlag, der uns gegeben wurde?

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Wir entschieden uns für den Tipp und steuerten das Charlottenlund Fort an, auf dessen Gelände sich ein kleiner, aber feiner Campingplatz befinden sollte.

Es war die beste Entscheidung des Tages, die wir gleich zu Anfang an hätten treffen sollen. Auf dem sehr gut besuchten und oft ausgebuchten Campingplatz gab es für uns ein Plätzchen für die nächsten Tage. Wir parkten vis-a-vis des Mörsers Nr. 6 ein und machten gleich einen Spaziergang durch das Fort und hinab zum Meer.

Da Kopenhagen über ein vorbildlich angelegtes Radfahrnetz verfügt, wäre das Rad eine Alternative gewesen. Wir beschlossen aber den Bus zu nehmen, der seine Haltestelle nur ein paar Schritte entfernt vom Campingplatz hat und schon konnten wir die Stadt entdecken.

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Im Großraum von Kopenhagen wohnen rund 1.650.000 Menschen, direkt in der Stadt wurden nach offiziellen Angaben circa 510.000 Einwohner gezählt.

Wer wenig Zeit mitbringt, kann die Hauptstadt Dänemarks auch per Sightseeing-Boot oder Hop-on-Hop-off erkunden. Da wir aber mehrere Tage eingeplant hatten, machten wir uns zu Fuß auf, um die Stadt kennenzulernen.
Kopenhagen ist voll von Sehenswürdigkeiten und besitzt, so wie viele Städte am Meer, einen maritimen Charme. Wasser ist im Alltagsleben mit eingebunden. Ob der alte Hafen oder die neu errichtete Oper, sie alle profitieren von ihrer Lage und lassen Sehnsüchte nach der Ferne aufkommen.

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Unser Bus brachte uns bis Kongens Nytorv, der so zentral gelegen ist, dass du die Altstadt in jeder Richtung erkunden kannst. Gleich um die Ecke beginnt die große Fußgängerzone, die, wenn man sie kreuz und quer durchwandert, an vielen sehenswerten Gebäuden vorbeiführt.

Zuerst einen kleinen Abstecher zu der drittältesten Kirche Kopenhagens, der St. Nikolaj, die heute ein Kunstzentrum beherbergt und dann gemächlich die Ostergade entlang. Schnell noch am Højbro Plads das Denkmal von Bischof Absalon, dem einstigen Stadtgründer, bewundert. Wenn man sich dann rechts hält, erreicht man über die belebte Købmagergade den aus dem 17. Jahrhundert stammenden Rundetarn, der heute das älteste funktionierende Observatorium Europas beherbergt. Über eine breite, 209 Meter lange Auffahrtsrampe kann der Turm bestiegen werden. Von oben hat man einen schönen Rundblick bis zum Öresund.

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Nicht weit entfernt liegt die Hauptbibliothek, die im klassischen Stil errichtete Alte Universität und die Frue Kirche, der Dom Kopenhagens.

Einen kleinen Schaufensterbummel durch die Nygade und Strøgent Richtung City Hall, die 1905 vom Architekten Martin Nyrop erbaut wurde. Hier sollte man unbedingt einen Blick auf die Fresken im Innenbereich werfen. Danach einen Kaffee, Leute beobachten und ein kleines Leckerli, so lässt sich Kopenhagen entdecken.

Wer will, macht noch einen Abstecher zum Hard Rock Café oder zum ältesten Vergnügungspark der Welt, dem Tivoli, und strandelt dann gemächlich, immer kreuz und quer, zurück zum Kongens Nytorv.

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Wenn dann die Füße und der Kopf rauchen, nimmt man einfach wieder den Bus, fährt zum Campingplatz am Charlottenlund Fort, spaziert dort über die Promenade und sucht sich ein nettes Plätzchen mit Blick auf das Meer, denn in Kopenhagen gibt es noch eine Menge zu besichtigen.

Die Stadt wartet mit etlichen Museen auf, die absolut sehenswert sind. Natürlich sind auch hier die Wikinger ein Thema und im Kopenhagener Nationalmuseum kann auf ihren Spuren gewandelt werden. Das Museum besitzt eine eigene Kinderabteilung, in denen unter anderem „Spaziergänge“ einmal um die ganze Welt absolviert werden können.

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Im „Louis Tussauds Wax Museum“ kann man die gesamte königliche Familie bestaunen und im Danish Jewish Museum lernt man viel über die Kultur und die Geschichte dänischer Juden.

Besonders empfehlenswert ist ein Besuch der Ny Carlsberg Glyptothek. Neben wunderbaren antiken Skulpturen gibt es im Inneren einen Wintergarten, der im viktorianischen Stil errichtet wurde.

Nur einen Katzensprung entfernt liegt das Dänische Designmuseum, in dem so allerlei Gustostückerl zu entdecken sind.

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Die National Gallery ist Dänemarks größtes Kunstmuseum. Sie bietet einen Überblick von Malerei und Bildhauerei vom 15. Jahrhundert bis in die Gegenwart.

Ein absoluter Höhepunkt ist ein Besuch des Schlosses Rosenborg, in dem die Kronjuwelen beherbergt werden.
Rundum gibt es eine wunderschön gepflegte Gartenanlage, die zum Rasten einlädt.

Zum Schauen und Rasten lädt auch der 1874 angelegte Botanische Garten mit seinem wunderbar architektonisch gestalteten Palmenhaus ein. Hier kann man mitten in der Stadt Natur pur genießen.

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Auf der Schlossinsel liegt Schloss Christiansborg, der Sitz des dänischen Parlaments. Wenn die königliche Familie nicht gerade die Räume für Staatsempfänge nutzt, kann man einige davon besichtigen, oder die im Keller befindlichen Reste der ersten Burg Bischof Absalons besuchen.

Ein absolutes Muss für Interessierte am dänischen Königshaus ist Schloss Amalienborg. Wenn die Flagge gehisst ist, ist die dänische Königin anwesend. Dann gibt es täglich um 12 Uhr den sehenswerten Wachwechsel, der mit Musik gestaltet wird. Ist die Königin nicht anwesend, gibt es zwar den Wachwechsel, die Musik bleibt aber zu Hause.

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Kulturinteressierte, die viele Museen besichtigen wollen, sollten die „Copenhagen Card“ ins Auge fassen, die rund 70 Attraktionen und Museen beinhaltet.

Die Liste der oben angeführten Museen und Galerien ist bei weitem nicht vollständig. Auch wir mussten aus dem vielfältigen Angebot eine Auswahl treffen und haben uns einfach jene herausgesucht, die für uns besonders interessant waren. Diese haben wir dann bei unseren Stadtspaziergängen integriert – Abwechslung tut immer gut.

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Ein paar Schritte von der Station Kongens Nytorv liegt Nyhavn, die rund 300 Meter lange Vergnügungsmeile Kopenhagens. Hier ist pralles Leben, hier gibt es ein Restaurant neben dem anderen, hier treffen sich Einheimische und Touristen. Einst legten hier die Segler aus aller Welt an, heute sind es die Freizeitskipper und die Feuerwehrschiffe, die hier festmachen.
Die bunten, gepflegten alten Häuser sind meist zu Restaurants und Kaffees umgestaltet, hier kann man, wenn man einen Platz ergattert, nicht nur Schmausen, es gibt auch viel zu sehen.

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Über eine Brücke erreicht man das gegenüberliegende Ufer und kann dann entlang der Havnegade, mit Blick auf das gegenüberliegende Christianshavn, genau dieses erreichen. In Christianshavn findet man neben schön restaurierten Häusern auch das Dänische Architektur Center oder das North Atlantic House.
In dem Stadtviertel liegt auch die „Freistadt Christiania“, die auf einem 34 Hektar großem Areal von Aussteigern und Alternativen selbst verwaltet wird. Im Inneren besteht striktes Fotografierverbot, hier wird ganz ungeniert gedealt. In der „Freistadt“ trifft man nicht nur Händler, sondern auch auf Menschen, die nur darauf warten, dass die ersten Stände öffnen, um ihre letzten Habseligkeiten gegen Drogen zu tauschen. Wenn du dann „Christiania“ verlässt, siehst du, wo unter anderem das Geld landet. Vor den Toren parken aufgemotzte Autos und ihre Besitzer machen einen wenig vertrauenswürdigen Eindruck.

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Zurück zum Kai von Christianshavn und von dort den schönen Anblick Kopenhagens genossen. Auf der anderen Uferseite erblickt man die Vor Freslsers Kirke mit ihrem spiralförmigen Turm, das schwarze Glasmonster, genannt „Schwarzer Diamant“ und die Königliche Bibliothek.
Wenn man dann die Knippels Bro überquert, trifft man auf einen der schönsten Renaissancebauten der Stadt, auf die 1640 fertiggestellte Börsenfront.

Jetzt wird es schön langsam Zeit für die wohl berühmteste Sehenswürdigkeit Kopenhagens, für die „Kleine Meerjungfrau“. Hans Christian Andersens Märchenfigur stand Patin dafür, Edward Eriksen schuf sie im Jahre 1913. Seitdem sitzt sie auf einem Stein am Ende der Hafenpromenade und ist Tag für Tag von Touristen und Touristinnen umlagert.

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Um zu der Kleinen Meerjungfrau zu gelangen, wandert man einfach Richtung Schloss Amalienborg, macht einen kleinen Umweg über die sehenswerte russisch-orthodoxe Alexander Nevsky Kirche und die Marmorkirche, um dann noch einen kleinen Abstecher zur historischen Arbeitersiedlung Nyboder zu absolvieren.

Durch die Esplanaden geht es dann an der Sankt Alban Kirk und dem schön restaurierten Gefionsbrunnen zur Kleinen Meerjungfrau.

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Etwas den Berg hinauf, ein kleiner Schlenker nach links und schon befindet man sich vor den Toren des Kastells. Die im Barockstil erbaute Festungsanlage liegt in einem großen Grünbereich und kann durchschritten werden.

Wer jetzt noch genügend Kraft hat, kann über die Hirschsprung Collection und die Dänische Nationalgalerie Richtung Fußgängerzone pilgern oder aber den passenden Bus nehmen und seine Füße am Campingplatz, direkt am Meer, bei einem Kaffee ausrasten.

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Naturinteressierte sollten sich Kopenhagens neueste Attraktion, das größte Aquarium Nordeuropas, den „Blauen Planeten“ nicht entgehen lassen. Etwas außerhalb der Stadt, in Kastrup gelegen, findet man hier mehr als 20.000 Meeresbewohner in den verschiedensten Becken.

Ein Besuch dieser reizvollen Metropole lohnt nicht nur in der wärmeren Jahreszeit. Gerade im Advent schmückt sich die Stadt mit Weihnachtsmärkten, die Geschäfte haben zum Teil längere Öffnungszeiten und die Schaufenster werden festlich gestaltet. Und so eine kleine Shopping-Tour, garniert mit Sightseeing und Kultur, verkürzt ungemein das Warten auf das Christkind.

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