Der Wiener Volksgarten

Meine Großmutter liebte den Wiener Volksgarten mit den wunderschön angelegten Blumenrabatten, den alten Bäumen, die traumhafte Ruhe und auch die Denkmäler, die im Volksgarten aufgestellt waren.

Zeit zum Hinsetzen hatte sie nie, denn sie durcheilte den Park immer dann, wenn sie zu ihrer Lehrstelle in einem großen Wiener Hotel musste. Der Dienstantritt war früh und nach Ausbildungsschluss musste sie nach Hause, wartete doch schon die Mutter darauf, dass ihre Tochter einen Teil der Hausarbeit erledige.

Nicht nicht nur die Zeit fehlte, sondern auch die wenigen Heller, die die „Sesselfrauen“ von allen kassierten, die für sich einen Sitzplatz beanspruchten. Musste doch ihr Vater etliche hart verdiente Gulden an den Lehrherrn zahlen, damit seine Tochter eine solide Ausbildung als Köchin erhielt, da zählte jeder Heller und Hinsetzen war ein Luxus, für den kein Budget vorhanden war.  

Die „Sesselfrauen“ gibt es schon lange nicht mehr und heute darf jeder Besucher und jede Besucherin den in unmittelbarer Nähe zum Burgtheater, dem Wiener Rathaus und dem Österreichischen Parlament gelegenen Park nicht nur während der Öffnungszeiten besuchen, sondern auch bequem auf den aufgestellten Sesseln Platz nehmen und die wunderschön angelegte Parkanlage bewundern.

Zu verdanken haben wir den Volksgarten Kaiser Franz I., aber irgendwie auch den Franzosen. Sie sprengten nämlich vor ihrem Abzug aus Wien die Befestigungsanlagen vor der Wiener Hofburg und auch die Bastei und nach der unumgänglichen Neugestaltung des gesamten Areals entstanden neben dem Heldenplatz auch der Burg- und eben auch der Volksgarten.

Der zwischen 1821 bis 1823 angelegte Volksgarten wurde 1823 offiziell der Bevölkerung übergeben. Im Zentrum des Parks, der von gerade gestalteten Wegen durchzogen wird, die einst der besseren Überwachung der Besucher und Besucherinnen dienten, thronte und thront noch immer der von Pietro Nobile entworfene Theseus-Tempel.

Im Zuge der Umgestaltung der Ringstraße wurde der Park vergrößert und heute verfügt der Volksgarten über eine Fläche von rund 5 Hektar.
Für Abkühlung in der warmen Jahreszeit sorgen der Triton- und Nymphenbrunnen sowie der Volksgarten Brunnen. Neben Denkmäler von Grillparzer, Raab und einem jugendlichen Athleten ist das Hauptdenkmal wohl das von der Kaiserin-Elisabeth, bei dessen Einweihung sogar der Kaiser einst anwesend war und das noch heute einen Foto-Hotspot darstellt.

Im späten Frühling und auch Ende August bis Mitte September entfaltet der Volksgarten seine ganze Pracht. Blühen um diese Zeit doch dort die rund 3.000 Rosenstöcke, die sich aus circa 400 Rosensorten zusammensetzen.

Und wenn dann die Rosen verblüht und die Stöcke gegen die Kälte mit Hauben geschützt werden, wenn die Herbstnebel durch den Park ziehen oder der erste Schnee fällt, dann bietet der Volksgarten einen wunderbar ruhigen Rückzugsort, der gleichzeitig einen Blick, an den unbelaubten Bäumen vorbei, auf die Bauten der Wiener Ringstraße ermöglicht.

Volksgarten
Burgring, 1010 Wien
Nähere Details und Öffnungszeiten unter www.bundesgaerten.at 

Fotos: ©V. + H. Holzinger

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