Das Rote Wien – „Auch für Nichtschwimmer“

Wenn Wohnung, dann Substandard, Toilette und Bassena, sprich Frischwasser, am Gang, Badezimmer ein schierer Luxus – dieser Wohnstandard hielt sich noch bei privat vermieteten Wohnungen bis in die späten 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts.

Einmal in der Woche wurde eine kleine Sitzbadewanne aufgebaut, diese mit am Herd gewärmten Wasser gefüllt und dann war großes Reinigen angesagt. Oder aber die Menschen pilgerten ins „Tröpferlbad“, um die nötige Körperhygiene zu erledigen.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts versuchte man den Menschen, die damals in noch prekäreren Wohnverhältnissen in Wien lebten, Erleichterungen zu verschaffen.
Bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden insgesamt neunzehn der berühmten „Tröpferlbäder“ errichtet, stolze Besitzer oder Besitzerinnen einer Wohnung in einem der neu errichteten Wohnhausanlagen konnten das dort eingebaute Gemeinschaftsbad nutzen.
Der Donaukanal wurde 1905 zum beliebten Badetreff, Strandbäder an der Alten Donau und in Stadlau werden zu kleinen Freizeitoasen und im Westen der Stadt werden große Sommerbäder eingerichtet.
Für Kinder entstanden in Parks die beliebten Kinderfreibäder, die unter strengster Aufsicht den Kindern ermöglichten, in den Sommermonaten im Wasser zu plantschen.

Im Winter gab es noch das Theresienbad und auch das Jörgerbad und besonders nobel, das Dianabad, das gut situierten Menschen die passende Kulisse zum Relaxen bot.

Der große Paukenschlag kam dann 1923, als die Gemeindeverwaltung den Bau einer modernen Badeanstalt beschloss und das in Favoriten, DER Bezirk, wo der Pöbel zu Hause war.

Trotz heftigsten Widerständen und Kritik an dem „Luxusbau“ im Proletarierbezirk konnte das nach der Favoriten Gemeinderätin Amalie Pölzer benannte Amalienbad 1926 seine Pforten öffnen.

Eine überglaste Schwimmhalte, die auch für Sportveranstaltungen geeignet war, eine Heil- und Kurabteilung, Platz für insgesamt 1.300 Badegäste und ein bis dahin unvorstellbarer Komfort für das gewöhnliche Volk.
Schnell wurde das Amalienbad zu einer weltweit beachteten Sehenswürdigkeit und bereits nach nur elf Monaten konnte der einmillionste Badegast begrüßt werden.

Gleich nach der Eröffnung des neuen Bades gab es im Gemeinderat den Beschluss für den „obligatorischen Schwimmunterricht für die Wiener Schuljugend“, der bis heute dazu beitrug, zahlreiche Leben zu retten.    

Anlässlich des 100. Geburtstages der Eröffnung des Amalienbads präsentiert „Das Rote Wien im Waschsalon Karl-Marx-Hof“ die Sonderausstellung „Auch für Nichtschwimmer“. In der Ausstellung wird nicht nur genau aufgeschlüsselt, mit welchem Aufwand das Bad einst errichtet wurde, es kann auch das Bäderwesen des Roten Wien der damaligen Zeit nachvollzogen werden.

Zu der Sonderausstellung werden zu bestimmten Terminen Kuratorinnen- und Kuratoren-Führungen angeboten. Ergänzt wird die Ausstellung durch Führungen durch das Amalienbad. Für alle Führungen ist laut Veranstalter eine Anmeldung vorgesehen.

Das Rote Wien im Waschsalon Karl-Marx-Hof
„Auch für Nichtschwimmer“
100 Jahre Amalienbad und das Bäderwesen im Roten Wien
5. März 2026 bis 5. September 2027

Tag der offenen Tür am 5. März 2026 von 12:00 bis 18:00 Uhr
Waschsalon Nr. 2, Karl-Marx-Hof, 1190 Wien

Nähere Details unter www.dasrotewien-waschsalon.at

Foto: ©Wienbibliothek im Rathaus, P-65100

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