„Die Kraft des Alters“ im Unteren Belvedere

Frägt man Menschen verschiedener Altersgruppen und stellt diese Antworten gegenüber, dann wird man schnell feststellen, dass der Begriff „Alt“ immer im Auge des Betrachters oder der Betrachterin liegt.

Für ein 8jähriges Kind gehören seine Großeltern schon zu den „Methusalems“, für 90jährige sind 65jährige noch „Jungspunde“, die noch allerlei zu lernen hätten.

Ab dem Tag unserer Geburt läuft die biologische Uhr, die uns durch alle Lebensabschnitte führt und eben auch das Alter für uns bereithält.

Wer noch vor zwei-, dreihundert Jahren als alt und dem Tode nahe galt, der oder die ist, dank unserer stetig steigenden Lebenserwartung, heutzutage im besten Alter und kann sich noch auf ein langes Leben einstellen.

Aber warum tun wir uns mit dem Begriff „Alt“ so schwer. Könnte es sein, dass wir uns von dem vorherrschenden Jugendkult schon so vereinnahmen ließen, der uns vorgaukelt, nur junge Menschen seien schön, klug, zeigten Stärke und hätten Spaß am Leben.

Wann wurden Begriffe wie „Altersweisheit“, „Altersbejahung“ oder „stolzes Alter“ durch Phrasen wie „Vergreisung“, „Überalterung“ oder „Altersstarrsinn“ ersetzt, ab wann wurde die einstige Wertschätzung des Alters aufgegeben und ins Gegenteil verkehrt?
Wann haben wir in unserem Kulturkreis verlernt, mit „Alten“ menschengerecht umzugehen, sie nicht ins Abseits zustellen und sie mit Wertschätzung zu behandeln?

Könnte es sein, dass wir, aus Angst selbst als alt eingestuft zu werden, einem Leitbild hinterherlaufen, dem wir nie wirklich genügen können, da uns eben unser Alter einen Strich durch die Rechnung macht?
Könnte es sein, dass wir die falschen Götzen anbeten und damit verhindern, dass wir vorhandene Erfahrung und Lebensweisheit zu unserem Nutzen anwenden?

Mittels unterschiedlicher künstlerischer Medien versucht nun das Belvedere all die Facetten, die das Älterwerden und das Alter mit sich bringen, zu beleuchten und Denkanstöße zu liefern.

In der von Sabine Felder kuratierten Ausstellung begibt sich das Belvedere mit insgesamt 174 Werken von 105 Künstlern und Künstlerinnen auf die Spuren von überlieferten Traditionen, stellt Lebensanschauungen gegenüber und zeigt auch neue Zugänge zum Thema Alter auf.

Ein eigener Katalog wurde aufgelegt, ein Kunstvermittlungs-Programm begleitet die Ausstellung.

Die Kraft des Alters
Vom 17. November 2017 bis 4. März 2018
Täglich von 10:00 bis 18:00 Uhr
Freitag von 10:00 bis 21:00 Uhr

Unteres Belvedere
Rennweg 6A, 1030 Wien

www.belvedere.at