Geht es Ihnen auch so? Sie sind zum xten Mal in einem Ort und irgendwie fehlte immer die Zeit, eines der wichtigsten Kulturgüter zu besichtigen.
So erging es uns mit der Landeshauptstadt des Burgenlandes, wo einfach nie die passende Zeitressource für die Besichtigung des prächtigen Ensembles des Schlosses Esterházy vorhanden war.
Dieser Lückenschluss an kulturellem Wissen wurde jetzt endlich nachgeholt und wir tauchten intensiv in die Geschichte des baulichen Juwels ein.

Zu übersehen ist das Wahrzeichen und die wohl wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt wahrlich nicht. In sattem Orange prangt das ab 1388 als gotische, vierflügige Wasserburg errichtete Schloss am Westende der Fußgängerzone.
Nach nicht ganz rosigen Zeiten, wurde die einstige, dem Verfall preisgegebene Wasserburg von den Grafen Esterházy übernommen, von ihnen Schritt für Schritt zu einem barocken Repräsentationsobjekt ausgebaut, in dem rauschende Feste an der Tagesordnung waren.
Damit für das höfische Leben noch mehr Platz vorhanden wäre, wurde dann das Schloss Ende des 18. Jahrhunderts im neoklassizistischen Stil erweitert und gegenüber vom Schloss das Stall- und Hauptwachegebäude, das heute als Landesgalerie dient, nach Plänen von Johann Henrici errichtet.

Am intensivsten kann das Innere des Schlosses und die Geschichte der Esterházy, die eng mit der des Burgenlands verbunden ist, mit einer der angebotenen Führungen erforscht werden.
So taucht man bei der Führung durch die Ausstellung „Das Appartement der Fürstin“ tief in die Lebenswelt der dort einst herrschenden Fürstinnen ein.
Mit zahlreichen Dokumenten und persönlicher Korrespondenz wird das Leben von Maria Josepha Hermenegilde (1768-1845), geb. Prinzessin von und zu Liechtenstein, Gattin von Fürst Nikolaus II. Esterházy, von Maria Theresia (1794-1874), geb. Prinzessin von Thurn und Taxis, Gattin von Fürst Paul III. Anton Esterházy sowie von Lady Sarah Frederica (1822-1853), geb. Child–Villiers, Tochter von George Child-Villiers Earl of Jersey, Gattin von Fürst Nikolaus III. Esterházy vor Besuchern und Besucherinnen ausgebreitet.
Kostbare Seidentapeten schmücken die Wände der generalsanierten Räume und bei dem Mobiliar wurde auf historische Gestaltung geachtet. Besonders interessant auch der Einblick in die einstige Lebenswelt der Kammerjungfern und Diener, die einem strengen hierarchischen System unterlagen, das auch bei ihrer Unterbringung eine große Rolle spielte.

Einen besonders tiefen Einblick in die Lebensweise der Esterházyschen Fürsten und Fürstinnen bekommt man bei der Ausstellung „Glanzlichter des Schlosses Esterházy“ und „Zu Tisch! Zu Gast an der fürstlichen Tafel“. Prunkvollste Kostbarkeiten werden da präsentiert, die opulent gestaltete Festtafel im Weißen Saal berichtet von den einst rauschenden Festmahlen in den vergangenen Zeiten, die dazu dienten, Reichtum und Macht zu dokumentieren und die, so die Ausstellungsleitung, Teil eines raffinierten gesellschaftlichen Rituals waren.
Die Besichtigungstour führt auch zum prunkvollen Haydnsaal, dessen Akustik schon Joseph Haydn, der hier wirkte und für das Fürstengeschlecht zahlreiche seiner Werke komponierte, bezauberte.
Auch der Besuch der Schlosskapelle, die aus dem 17. Jahrhundert stammt und auf deren Orgel bereits der große Meister Joseph Haydn spielte, ist ein Erlebnis der besonderen Art.

In der Ausstellung „Das Leben hat mir viel geschenkt“, die Melinda Esterházy gewidmet ist, wird nicht nur der Werdegang der ehemaligen Tänzerin am Budapester Opernhaus und dann mit Fürst Paul V. Esterházy verheirateten Fürstin nachgezeichnet, es wird auch auf die Höhen und Tiefen des letzten Fürstenpaares eingegangen.
Im Untergeschoss des Schlosses, in den über 300 Jahre alten Kellergewölben, befindet sich das größte Weinmuseum Österreichs, das mit über 700 Exponaten aufwartet.
Dem Musikgenie Joseph Haydn, der Hofkapellmeister und als Komponist im Dienst der Fürstenfamilie stand, ist im Erdgeschoss des Schlosses eine eigene Dauerausstellung gewidmet, in der das Leben und Schaffen des großen Künstlers nachvollzogen werden kann.

Im Schlossticket ist auch der Besuch der Ausstellung „Geister in der Bel Étage“ beinhaltet, in der die Preisträger des Esterhazy Art Award 2025 ihre geschaffenen Kunstobjekte den Kunstwerken der vergangenen Jahrhunderte gegenüberstellen.
Nach soviel kulturellem und baulichem Genuss Gusto auf ein Stück Natur? Kein Problem! Hinter dem Schloss finden Sie den zuerst als französischen Garten, dann zum englischen Garten umgebauten Schlosspark.
An die 50 Hektar groß, eignet er sich hervorragend zum Relaxen, aber auch zum Vertreten der Beine.

Nicht weit von der Orangerie, die zeitweise für Ausstellungen genutzt wird, liegt der großzügig gestalteten Spielplatz, damit auch kleinere und größere Kinder auf ihre Rechnung kommen.
Kleiner Tipp am Rande: Nehmen Sie sich Zeit, um all die Kleinode zu bewundern und versäumen Sie nicht einen kleineren oder größeren Spaziergang im wunderschön gestalteten Schlosspark – es zahlt sich aus!
Nähere Details unter https://esterhazy.at
Fotos: ©V. Holzinger
