Lipizzaner galten als Pferde der Herrscher und seit 2016 wurde ihre Aufzucht von der UNESCO in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Österreich und ab 2022 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
Es war eine wechselvolle Reise, bis es so weit war, dass die majestätischen Pferde schlußendlich in Piber eine feste Heimat fanden. Erzherzog Karl II. ist es mit der Gründung des Karster Hofgestüts beim Ort Lipica zu verdanken, dass im Laufe der Jahrhunderte die einst aus Spanien für den Habsburger Kaiser importierten Pferde sich ab diesem Zeitpunkt zu einer Rasse entwickelten, die für die klassische Reitkunst bestens geeignet waren.

Bis 1915 wurden die edlen, als intelligent, hochsensibel, menschenbezogenen und kontaktfreudig geltenden Pferde im Gestüt Lipizza in der Krain gezüchtet und im Jahre 1920 fand der zwischen Österreich und Italien geteilte Teil der Herde seine Heimat in Piber. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Zuchtpferde nach dem heutigen Hostouň in Tschechien verlegt und nach langen Verhandlungen konnte ein Teil der Lipizzaner im Jahre 1952 nach Piber zurückkehren.
In den ausgedehnten Stallungen des mächtigen, von Domenico Sciassia zwischen 1696 bis 1728 erbauten Schloss Piber, werden die Lipizzanerhengste der Spanischen Hofreitschule geboren und dürfen ihre Kindheit in Piber verbringen.
Für die Zucht werden sechs der weltweit acht Hengststämme und alle siebzehn existierenden klassischen Stutenfamilien verwendet.
Die Fohlen dürfen laut Gestüt die ersten sechs bis acht Monate bei ihren Müttern bleiben, dann übersiedeln sie in den Außenhof, wo sie weitere sechs Monate herumtollen können. Im Alter von einem Jahr werden die Stut- und Hengstfohlen nach Geschlecht getrennt, so das Gestüt weiter, und bis zu ihrem vierten Lebensjahr können die Pferde im Sommer die ausgedehnten Almen oder den nahe gelegenen Außenhof nutzen.

Nach Ende der Jugendzeit beginnt auch bei den Tieren der Ernst des Lebens. Eine eigene Kommission bewertet die Tiere und für die, die die Musterung bestehen, beginnt eine zweijährige Ausbildung, die mit einer Prüfung endet. Nach dem Bestehen dieser Prüfung wird festgelegt, ob die Pferde zur Zucht oder zu Repräsentationszwecken ihr weiteres Dasein verbringen und ihre Ausbildung im Trainingszentrum Heldenberg bei Wien oder Piber absolvieren.
Damit auch Hengste wie auch Stuten ihren wohlverdienten Ruhestand genießen können, übersiedeln sie im Alter von 25 bis 30 Jahren wieder nach Piber, wo sie ihre letzten Jahre gemütlich im Pensionistenstall verbringen können.
Sie wollten schon immer stolze Besitzerin oder stolzer Besitzer eines Lipizzaners sein? An sich kein Problem, da im Gestüt Piber nach eigenen Angaben rund 40 Fohlen pro Jahr das Licht der Welt erblicken und nicht alle Pferde ausgebildet werden, können diese Tiere dann erworben werden und bei Pferde-Fans eine neue Heimat finden.
Für alle Interessierten, die die Heimat der „Weißen Pferde“ hautnah erleben wollen, bietet das Gestüt Führungen, die einen umfassenden Überblick über die Anlage ermöglichen und viel Wissenswertes über Zucht und auch Geschichte Pibers vermitteln.
Highlight ist natürlich ein Besuch im „Kindergarten“, wo der entzückende Nachwuchs beobachtet werden kann, der von den Stuten liebevoll verwöhnt wird.

Ein Blick in den Innenhof des Schlosses und die darin befindliche Geschirrkammer sollte nicht fehlen, im Museum läuft die Ausstellung „Folge der Herde“, auch die Pfarrkirche des Heiligen Andreas ist mit ihren spätgotischen und frühbarocken Umbauten ein Augenschmaus und auch ein kleiner Besuch bei der Schmiede oder bei der Reithalle kann absolut lohnenswert sein.
Am weitläufigen Gelände gibt es nicht nur einen Kinderspielplatz und einen eigens für Kinder kreierten Erlebnisweg, es besteht auch die Möglichkeit zum Klettern oder den Flying Fox zu nutzen.
Das Gestüt veranstaltet das ganze Jahr über Veranstaltungen, die zahlreiche Höhepunkte für Jung und Alt bereithalten. Auch bietet das Schloss das passende Ambiente für größere oder kleinere Festlichkeiten und auch Konzerte oder Theateraufführungen werden in den edlen Räumen durchgeführt.

Der nächste Termin für so eine Veranstaltung ist der 12. September 2026, wenn die ein- bis dreijährigen Jungtiere nach ihrem Urlaub auf den Almen wieder in das Gestüt zurückkehren. Schon frühmorgens beginnen die „Jungen Wilden“ ihren Marsch Richtung Heimat, werden unterwegs dann mit Sommerblumen geschmückt und unter Musikbegleitung zu ihren Ställen gebracht.
Der Lipizzaner-Almabtrieb ist in einzelne Stationen aufgeteilt und Gäste können dieses Jahr einen kostenlosen, mit Oldtimer-Bussen betriebenen, kostenfreien Shuttle-Service nutzen, der alle Veranstaltungsorte miteinander verbindet.
Die Lipizzaner dürfen sich nach dem langen Fußmarsch ausruhen, für Besucher und Besucherinnen ist der Tag noch lange nicht zu Ende.
Von 10. bis 13. September 2026 findet auch das Pferdefilmfestival LIPZZANIA in Köflach und Piber statt, bei dem Filmvorführungen für Kinder und Jugendliche gezeigt werden. Und auch musikalisch tut sich etliches. Ab 15:30 Uhr gibt es DJ-Musik und ab 18:00 Uhr wird bei Konzerten fest aufgespielt.
Kleiner Tipp am Rande: Sie können nicht persönlich Piber besuchen? Über die für Android und iOS erhältliche App „Folge der Herde“ können spannende Einblicke in das Geschehen des Gestüts geworfen und Informationen über Zucht und Aufzucht erworben werden.
Spanische Hofreitschule
Lipizzanergestüt Piber
Piber 1, A-8580 Köflach
Lipizzaner-Almabtrieb 2026
12. September 2026
Maria Lankowitz, Köflach, Lipizzanergestüt Piber
Nähere Details und gesamtes Programm unter https://www.steiermark.com/de/Region-Graz/Gemeinden-der-Region/Lipizzanerheimat/Lipizzaner-Almabtrieb sowie unter
https://www.srs.at/de/ueber-uns/steiermark/willkommen.
Fotos: ©V. Holzinger, Lipizzanergestüt Piber
