Mit dem Wohnmobil durchs Baltikum – Lettland

Mit dem Wohnmobil durchs Baltikum – Lettland

Fotos: V. & H. Holzinger     
Riga ist in Lettland der Hauptanziehungspunkt für Touristen und Touristinnen und wird nicht nur in der Hochsaison von ihnen gestürmt. Wer aber Ostseeidylle mit endlosen Sandstränden, zahlreiche Seen, viel Natur und natürlich auch Kultur genießen will, sollte sich für eine Reise kreuz und quer durch das gesamt Land entscheiden, es zahlt sich aus.

So wie in den anderen baltischen Staaten setzt auch Lettland auf den Schutz der Natur. Rund 500 km Küste, feinsandige Strände, endlose Wälder und unzählige Seen und Flüsse lassen das Herz von Naturliebhabern höher schlagen. Damit die Bevölkerung auch in Zukunft die Natur genießen kann, wurden in Lettland vier Nationalparks, 261 Naturreservate und ein Biosphärenreservat gegründet. 

Und die Erkundung dieser Nationalparks, Naturreservate und des Biosphärenreservat lohnt sich allemal. 

Allein eine Fahrt von der lettisch-litauischen Grenze zum Kap Kolka ist ein Erlebnis der Sonderklasse. Gleich zu Beginn der rund 250 km langen Route liegt der Pape Nationalpark mit dem gleichnamigen See. Das Gebiet ist eine wahre Fundgrube für Vogelbeobachtung-Fans, auch Wisente, Auerochsen und eine Rückzüchtung des ausgestorbenen Wildpferdes Tarpan können hier beobachtet werden.

Lettland_©V. & H. Holzinger

Weiter geht die Fahrt und schon landet man in Liepaja, der drittgrößten Stadt Lettlands, eine Stadt, die heute noch ein wichtiger Hafen an der Ostsee ist und von vergangenen Zeiten träumt.  

Wenn Sie jetzt der Küstenlinie folgen, kommen Sie erstmalig mit den in Lettland vorherrschenden Straßen, den Schotterpisten, in Berührung. Meist gut befahrbar, in der trockenen Jahreszeit begleiten Staubwolken deinen Weg und bei oder nach Regen kann schon die ein oder andere Pfütze für eine Autodusche sorgen.

Dafür wird man mit endlosen, noch fast menschenleeren Sandstränden belohnt, die aber schon in nächster Zeit der Vergangenheit angehören könnten, da der Tourismus auch hier immer schneller ausgebaut wird.

Bei Ziemupe wartet dann ein Steilküstenabschnitt auf die Reisenden und in Pavilosta fahren noch Fischer hinaus aufs Meer und nehmen auch hin und wieder Leute zum Fischfang mit.

Rund um den kleinen Ort Jürkalne wird es dann romantisch-wild. Hier liegt mit einer kilometerlangen, 20 Meter hohen Steilküste, einer der schönsten Küstenabschnitte der ganzen Strecke. 

Wie sehr man auf den Tourismus setzt, zeigt die Küstenstadt Ventspils. Der Rathausplatz wurde schon neu gestaltet, auch wurde eine Promenade angelegt, von der man entlang der riesigen Speicheranlagen Richtung Hafen spazieren kann.
Bei dem Spaziergang kommt man auch an der bestens renovierten Burg des Livländischen Ordens vorbei, der älteste Bau in Ventspils und auch die älteste mittelalterliche Festung in Lettland. Ein Stückchen weiter liegen die Ostgals, die noch mit schmalen Kopfsteinpflasterstraßen und kleinen Holzhäuschen einen winzigkleinen Blick in die Vergangenheit erlauben.
Ventspils ist auch ein gutes Beispiel, wie versucht wird, der immer stärkeren Abwanderung der einheimischen Bevölkerung entgegenzuwirken. Mit familienfreundlichen Einrichtungen, so gibt es nach offiziellen Angaben immerhin 37 Kinderspielplätze in der ganzen Stadt, Wellness- und Gesundheitseinrichtungen, zahlreichen Veranstaltungen wird versucht, den Menschen den Alltag zu erleichtern.
Da das Stadtgebiet weitläufig ist, zahlt sich hier eine Radtour aus, bei der man auf ausgebauten Radwegen alle Sehenswürdigkeiten der Stadt erreicht und auch mit den Kuhstatuen, für die die Stadt berühmt ist, Bekanntschaft schließen kann.

Lettland_©V. & H. Holzinger

Wie wäre es, bevor Sie jetzt weiter Richtung Kap Kolka fahren, mit einem kleinen Abstecher ins Landesinnere, um dann nach einer Runde wieder in Ventspils zu landen und ihren Weg weiter fortzusetzen.  

Entlang der Venta Richtung Kuldiga, mit einem Badestopp an einem im Wald gelegenen See, danach ein kleiner Bummel durch die Altstadt von Kuldiga, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, ein Bad im oder auch nur ein Blick auf den breitesten Wasserfall Europas und einen Blick auf die Backsteinbrücke, die mit ihren 165 m zu den längsten ihrer Art in Europa zählt. 

Weiter der Venta entlang findet man die Riezupes Alas, ein Höhlenlabyrinth, das durch den Abbau von Sand entstanden ist und das es immerhin auf rund 500 Meter bringt. 

Nach Kuldiga wechselt man einfach zum Nachbarfluss Abava und landet in einem der schönsten Gegenden Lettlands. Hier können sich Fans des Kanusports so richtig austoben, um dann in Kanadava wieder eine leichte Stadtprise schnuppern zu können.
Ein kleiner Abstecher noch nach Talsi, der Stadt auf neun Hügeln, wo man am Talsu ezers an der Seepromenade spazieren kann oder auf den Burghügel wandert und von oben auf die Stadt hinunterblickt. 

Dann geht es zum bei den Letten beliebten See Usma, der nicht nur Angelbegeisterte und Erholungsuchende anzieht, sondern auch über den einzigen Yachthafen Lettlands auf einem Binnengewässer verfügt. Plätzchen direkt am See gefällig? Dann ist der Usma SPA Hotel & Camping in idealer Standort. Die Sanitäreinrichtungen sind gepflegt, es gibt Ver- und Entsorgung, einen eigenen Bootssteg, Restaurant und Spa-Bereich, auch kommen Angler hier auf ihre Rechnung. 

Schauen Sie in Ugale in die evangelisch-lutherische Kirche und bewundern Sie dort die älteste Barock-Orgel Lettlands.

Nach diesem kleinen Schlenk ins Landesinnere sind es nur mehr ein paar Kilometer und schon ist wieder Ventspils erreicht.

Lettland_©V. & H. Holzinger

Raus aus Ventspils, einen kleinen Abstecher zum Busnieki ezers gemacht, der bei heißem Wetter auf ein kühlendes Bad einlädt und dann immer die lange Gerade durch den dichten Wald bis zur Abzweigung zum Leuchtturm von Ovisi, dem ältesten Bau für Navigation in Lettland, in dem auch eine kleine Ausstellung zu besichtigen ist.

Noch einen Leuchtturm können wir mit dem Mikeltornis auf der Strecke nach Kap Kolka anbieten. Der Leuchtturm Mikeltornis ist mit seinen 62 Metern der höchste Turm des Baltikums, aber nur mehr von außen zu besichtigen.

Schon nähern Sie sich dem Slitere Nationalpark und der zu ihm gehörenden Livenküste. Der im Jahre 2000 eingerichtete Naturpark war in der Sowjetzeit militärisches Sperrgebiet, was der Natur, aber nicht den hier wohnenden Menschen gut tat. Die einst hier lebenden Liven lebten vom Fischfang, der von den Sowjets untersagt wurde. Die Boote wurden zerstört, die ansässigen Fischer verloren damit ihre Lebensgrundlage und die meisten Liven verließen den Landstrich. Im Wald von Mazirbe zeugt ein Bootsfriedhof von dieser Zeit, die zu den dunkelsten der Liven zählt und bis heute nachwirkt.

Schauen Sie sich im Dorf Vaide die skurrile Geweihsammlung an und besuchen Sie Kosrags, das wegen seiner historischen Fischerhäuser zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Der Slitere Nationalpark mit seinen einsamen Sandstränden, seinen langen Dünenketten und seinen großen Kiefernwäldern bietet nicht nur Ruhesuchenden einsame Plätzchen, er lässt auch die Herzen von Wanderern und Wanderinnen und von Rad-Fans höher schlagen. 

Ganz oben, als I-Tüpfelchen sozusagen, ragt dann Kap Kolka in die Irben-Straße und trennt die offene Ostsee von der Rigaer Bucht. Wie wild hier die See tobt sieht man an den umgestürzten Bäumen, die den hereinbrechenden Wellen nicht standhalten konnten. Baden geht hier nicht, aber ein Spaziergang am Strand von Kolkasrags oder durch den Pinienwald fällt in der Vor- und Nachsaison unter wildromantisch, in der Hochsaison teilen Sie diese Romantik mit vielen weiteren Besuchern und Besucherinnen.

Lettland_©V. & H. Holzinger

Wasserratten, denen kühlere Wassertemperaturen nicht zusetzen, finden ab sofort entlang der Rigaer Bucht schöne Plätzchen, die zum Schwimmen einladen. 

Spätestens jetzt sollten Sie dem einen oder anderen Fischverkäufer seine geräucherten Fische abkaufen. Fast jeder Anbieter räuchert anders, aber alle Fische schmecken vorzüglich.

An der Evazi-Steilküste und bei den weißen Dünen von Purciems kommen ihre Wanderschuhe wieder zu Ehren, in dem kleinen Örtchen Roja finden Sie das Museum für Seefischerei und die Möglichkeit, die Roja mit dem Kanu zu erkunden oder Sie machen einen kleinen Abstecher in das Landesinnere und besuchen Dundaga, mit seiner Burganlage. 

Und schon nähern wir uns dem nächsten Naturpark, dem Naturpark Engure-See, dem größten Lagunen-Gewässer Lettlands. Ein Spaziergang durch den kleinen Fischerhafen von Engure und dann geht es zum Vögel beobachten auf einen der Beobachtungstürme. Orchideen-Fans werden den Orchideenpfad erwandern und Tierliebhaber und -liebhaberinnen können bei Krievagciems bei den Wildpferden und Wildkühen vorbeischauen. 

Für Camping-Fans bietet sich nahe Engure das Seaside Camping Engeres Piejuras kempings an, das rund 500 Meter vom Meer entfernt liegt und mit sämtlicher Ver- und Entsorgung, großem Gelände und viel Freundlichkeit der Besitzer aufwartet.

Jetzt kommen all die auf ihre Rechnung, die gerne etwas Trubel in ihren Urlaub einbauen. Das auf einer Landzunge zwischen dem Fluss Lielupe und dem Meer liegende Jurmala war einst ein typisches Ostseebad, wo sich reiche Rigaer ihre Sommerhäuser bauten. Heute hat die sich auf rund 25 Kilometer Länge erstreckende Stadt an die 51.000 Einwohner und ist mehr Großstadt, denn Kurort.
In den ruhigeren Wohngegenden und im Ortsteil Majori findet man noch die typischen Holzhäuser, die zwar schon optisch in die Jahre gekommen sind, aber noch immer einen gewissen Charme ausstrahlen. Da Riga nur einen Katzensprung entfernt ist, sind die schönen Strände in der Hochsaison mehr als gut besucht und ruhige Plätzchen Mangelware. 

Lettland_©V. & H. Holzinger

Wieder ein kleiner Schlenker ins Landesinnere und beim Schlossgut Jaunpils vorbeigeschaut und die Stadt Tukums besichtigt, danach noch den Gütern Schlockenbeck und Schloss Neu-Mocken einen Besuch abgestattet, im traumhaft schönen Kemeri Nationalpark den Liela tirela laipa absolviert und die Ordensburg von Dobele bewundert.
Wer mit Kindern unterwegs ist, stattet sicher dem Tervete Dabas Park einen Besuch ab, in dem ein richtiger Märchenwald und viele Spielplätze auf die Kleinen warten.
Wer Abkühlung sucht und eine Runde schwimmen will, kann dies im Zebras ezers oder im Gulbju ezers, um danach weitere Entdeckungen erfrischt anzugehen.
Immerhin winken noch die absolut sehenswerten Schlösser Rundale und Mezotne sowie die Burg von Bauska, die nicht nur Kulturinteressierte begeistern werden.

Und schon geht es wieder Richtung Küste, wo Riga, die Hauptstadt Lettlands, auf Sie wartet.

Nach der ausgiebigen Besichtigung von Riga sollten Sie, bevor Sie das nächste Highlight der Reise, den Gauja-Nationalpark erkunden, noch das Ethnografische Freilichtmuseum, ganz nahe der Stadt besuchen. Das 1924 gegründete Museum gibt tiefe Einblicke in die Lebensgewohnheiten der Bevölkerung vom Ende des 17. bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts. Unterm Jahr gibt es die diversesten Veranstaltungen, bei denen alte Bräuche wieder in Erinnerung gerufen werden und bei denen viele Letten und Lettinnen begeistert mitmachen. Nehmen Sie sich genügend Zeit, es zahlt sich wirklich aus. 

Aber auch für den touristisch voll erschlossenen Gauja-Nationalpark sollte genügend Zeit eingeplant werden. Die „livländische Schweiz“ ist der größte Nationalpark des Baltikums und bietet mit seinen Steilufern der Gauja, seinen geschützten Pflanzen, seinen zahlreichen Felsen und den vielen Wandermöglichkeiten Naturerlebnisse der besonderen Art.

Der rund 91.800 Hektar große Nationalpark ist in fünf Zonen unterteilt, die zum Teil überhaupt nicht betreten oder nur mit einem Führer besucht werden können, aber für lohnende Entdeckungen bleibt noch genügend Naturraum übrig.

Besonders beliebt ist die beschauliche, zweitägige Kanutour auf der Gauja, die auch für Anfänger zu schaffen sein sollte. Bei der Tour kommen die Schönheiten des Gaujatals erst richtig zur Geltung und die Mühe wird durch den Blick auf steile Felswände, Höhlen, Grotten und auf zahlreiche Burgberge belohnt. Gestartet wird gerne beim Rastplatz Jänärmis und dann geht es gemächlich bis nach der Mündung der Ligatne, wo die meisten Touren enden. 

Lettland_©V. & H. Holzinger

Das Tor zum Gauja-Nationalpark bildet die Kleinstadt Sigulda, die nicht zu unrecht nicht nur in der Hochsaison von zahlreichen Touristen und Touristinnen besucht wird.
Gleich drei Burgruinen und zwei berühmte Schlösser machen Sigulda zum beliebten Ausflugsziel.
Im Winter locken Schilifte und eine Bobbahn, im Sommer sind Wanderschuhe gefragt, um die schöne Umgebung zu erkunden.
In Sigulda findet man auch die einzige Seilbahn des Baltikums, die in einer Höhe von 42 Metern die Gauja überspannt und die eine Verbindung nach zum Landgut und zur mittelalterlichen Burgruine in Krimulda bietet. 

Sehenswert auch die Burg von Turaida, die 1214 im Auftrag der Bischöfe von Riga errichtet, im 18. Jahrhundert durch ein Feuer zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Von der Aussichtsplattform hat man einen schönen Blick über das Gauja-Tal und im West-Block gibt es eine interessante Ausstellung über das Volk der Liven. 

Zwischen Sigulda und Cesis liegt der kleine Ort Ligatne, wo man in der ansässigen Papierfabrik einen Rundgang absolvieren kann.
Kein Geheimtip und absolut sehenswert ist die von den Sowjets unter dem Decknamen „Altenheim“ errichtete Bunkeranlage. Die Anlage, die für den Ernstfall eines Atomkrieges ausgelegt war, beherbergt bis heute noch die Originalausstattung aus den 80er Jahren des vorigen Jahrhundert. Die interessant und mit Augenzwinkern gestalteten Führungen gibt es auch in deutscher Sprache, es kann aber zu längeren Wartezeiten kommen, da die Anlage nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden kann und der Andrang enorm groß ist.

Der Rundgang durch den Ligatne Wildpark war zwar nett, aber das Holzmuseum Vienkocu parks hat uns besser gefallen. Es punktet zwar nicht mit absoluten Highlights, ist aber liebevoll gestaltet und bietet in dem weitläufigen Gelände kunstvoll geschnitzte Gegenstände, die von Booten über Tiere bis zu ganzen Häusern reichen.

Sollten Sie auf die andere Seite der Gauja gelangen wollen, gibt es in Ligatne eine Flussfähre, die einzig erhaltene Fähre ihrer Art und auch die einzige Möglichkeit, zwischen Sigulda und Cesis auf die andere Seite des Flusses zu gelangen. 

Nehmen Sie von Ligatne nicht die gut ausgebaute Schnellstraße, sondern fahren Sie einfach die Rumpelpiste über Kärli. Sie können nicht nur zum Kuka Kraces mit seinen Stromschnellen spazieren, Sie überqueren auch die wilde Amata, die besonders im Frühjahr Unmengen von Wasser befördert und bei Wasserslalom-Fahrern und -fahrerinnen äußerst beliebt ist. Nicht weit davon entfernt liegen die Zvartes-Felsen, die man über eine Seilbrücke erreicht und auch besteigen kann.

Ein guter Ausgangspunkt für Besichtigungstouren ist die Stadt Cesis, die nicht nur mit zum Teil renovierungsbedürftigen alten Häusern, sondern auch mit Schloss und Ordensburg punktet.

In der Nähe von Raiskums, direkt am Raiskuma ezers, liegt unser Lieblingscampingplatz von Lettland. Der Besitzer des Camping Apalkalns reiste mit seinem Sohn selbst mit einem Wohnmobil von Radveranstaltung zu Radveranstaltung und weiß deshalb genau, was Camper und Camperinnen brauchen. Der Platz ist wunderschön und intelligent angelegt, bietet volle Ent- und Versorgung und neben sauberen Sanitäranlagen auch Waschmaschine, Trockner und voll eingerichtete Küche. Bei unserem Aufenthalt wurde gerade fleißig an einem Kaffeehäuschen gewerkt, das jetzt im Sommer bereits eröffnet sein sollte.

Machen Sie eine Kanutour auf der Gauja, wandern Sie entlang des romantischen Amata Trails, besuchen Sie das Freilichtmuseum Äraisi, wandern Sie zum Adlerfelsen oder nehmen Sie den Naturpfad Cirulisu unter ihre Füße, besuchen Sie die roten Sandsteinfelsen Sarkanas Klintis, entspannen Sie an einem der zahlreichen Seen, schauen Sie bei den Landgütern Lielstraupe oder Ungurmuiza vorbei oder machen Sie einen Abstecher zum Schloss Birini, und, wie schon erwähnt, nehmen Sie sich viel Zeit für die wunderbare Natur. 

Lettland_©V. & H. Holzinger

Jetzt wird es langsam wieder Zeit, Meeresluft zu schnuppern. Also zurück an die Küste und zu den breiten Sandstränden, die bald etwas schmäler werden, zu einem Steilufer mutieren und sich mit roten Sandstein-Felsen schmücken. Ausgelassen auf dem Weg dahin haben wir das Münchhausen-Museum, das von Reisebussen umlagert war und das uns nicht sehr sehenswert vorkam. 

Bei Kumrags findet man bereits rote, niedrige Klippen und ein Stück weiter geht es dann zu den Veczemju Klintis, die durch einen kleinen Uferwald erreicht werden. Im Sommer ist hier Hochbetrieb, da zahlreiche Grillplätze vorhanden sind, die sogar reserviert werden müssen, da sie so gefragt sind. 

Bei der Vitrupemündung kann noch einmal Sandstrandfeeling pur genossen werden und Paddelfreunde und -freundinnen werden vielleicht die Gelegenheit nutzen, eine Kanutour auf der Salaca zu absolvieren.

Sollten Sie mit ihrem Wohnmobil einen Platz zum Übernachten suchen, bietet der Stellplatz Kapteinu Osta, der nahe Salacgriva liegt, die passende Möglichkeit. Das Meer ist in 2 Minuten erreichbar, Ver- und Entsorgung passen, auch die Sanitäranlagen sind in Ordnung. Praktisch das vorhandene Restaurant, auch gibt es einen kleinen Sporthafen und bei Bedarf auch Häuschen zu mieten.  

Ainazi ist der letzte Ort in Lettland. Entweder man erkundet nun Estland, was durchaus Sinn macht, oder man fährt entlang der estnischen Grenze Richtung Alüksne, um den östlichen Teil Lettlands zu erkunden.

Da wir das gesamte Baltikum bereisen wollten, entschieden wir uns für die Fahrt über Estland und setzen kurz vor Alükse unsere Fahrt durch Lettland fort. 

Die Stadt Alükse, am gleichnamigen See gelegen, der immerhin zu den größten Seen Lettlands zählt, punktet mit Ordensburg, neuem Schloss, einem schönen Landschaftspark rund um das Schloss und einer sehenswerten evangelischen Kirche.
Touristisch noch nicht ganz so ausgereizt, können Erholungsuchende hier genügend Freizeitaktivitäten setzen. Die Gegend lädt zum Wandern, auch Rad fahren ist angesagt und natürlich können alle Wassersportarten ausgeübt werden. 

Eisenbahn-Fans werden die Gelegenheit nicht versäumen, mit der historischen, einst von den Russen angelegten Schmalspurbahn zu fahren, die zwischen Alüksne und Gulbene verkehrt.

Genächtigt haben wir am Camping Ezermalas 44, der direkt am See liegt. Der kleine Platz bietet Ver- und Entsorgung und Strom. WC und Dusche sind ebenfalls vorhanden, fallen aber ehrlicherweise unter die Kategorie „rustikal“. Dieses kleine Manko gleichen die mehr als freundlichen Besitzer allemal aus.

Weiter geht es Richtung Balvi, das mit einem alten Gutshof, Naturstein-Skulpturen im Bärenpark und einem Badeplatz aufwartet. 

Ein absolutes Paradies für alle Vogelbeobachter und -beobachterinnen ist der größte See Lettlands, der Lubäns-See. Dass der See ein wichtiges Rast- und Brutgebiet für Wasservögel ist, erahnt man bereits, wenn man sich über den angelegten Damm den Wasser- und Schilfflächen nähert.
Schauen Sie bei der Naturparkinformation vorbei, nehmen Sie an einer geführten Tour teil oder machen Sie ganz einfach ein nettes Picknick auf den dafür vorgesehenen Plätzen und beobachten dabei das rundherum herrschende rege Vogelleben. 

Lettland_©V. & H. Holzinger

Sie haben sich ja bereits an die lettischen Pisten gewöhnt, als könnten Sie jetzt einen kleinen Abstecher einlegen, um die Füße auf dem Teirumniki Moorpfad zu vertreten und eventuell in dem kleinen Moorsee ein Bad zu nehmen. 

Touristisch gibt die nächste größere Stadt, Rezekne, nicht wirklich viel her. Sie bietet aber gerade für Wohnmobilisten die nötige Infrastruktur, um wieder Vorräte zu bunkern. 

Von Rezekne könnten Sie jetzt einen kleinen Schlenk nach Ludza machen, wo eine Ruine einer alten Ordensburg des Deutschen Ordens in Livland, ein Badeplatz und eine schöne Kirche auf Sie warten. 

Wasserratten werden sich die Fahrt entlang des Raznas ezers und ein kühles Bad nicht entgehen lassen. Sollten Sie eine besonders schöne Aussicht genießen wollen, müssen Sie wohl oder übel ein paar Schweißperlen in Kauf nehmen. Am Liepukalns, mit seinen 289 Metern der höchste Berg Latgales, steht nämlich ein Aussichtsturm, von dem man einen schönen Rundblick genießen kann. 

Noch einen See können wir Ihnen zum Erfrischen anbieten. Der an zwei Stellen zugängliche Ezeres ezers ist gespickt mit zahlreichen kleinen Inseln. Sollte Ihnen das Wasser doch zu kalt sein, machen Sie einfach ein gemütliches Picknick an seinem Ufer. 

Nach soviel Natur, ist wieder Kultur angesagt. Wenn Sie schon in der Gegend sind, gehört der Besuch der weißen Basilika von Aglona einfach zum Pflichtprogramm. Die 1780 erbaute Basilika zieht am Maria Himmelfahrtstag tausende Gläubige an und gilt als die wichtigste katholische Kirche Lettlands.

Ihnen ist heiß und Sie brauchen Abkühlung. Nichts leichter als das. Wie wäre es mit einem Sprung in den Karpa ezers oder doch lieber in den Velnezers.
Auch der Jazinks ezers kann genutzt werden oder Sie machen gleich eine längere Verschnaufpause und übernachten im Siveri Camping, das direkt am gleichnamigen See liegt. Der sehr schöne Platz bietet neben Ver- und Entsorgung, außer Grauwasser, eine Badebucht, Bootsverleih und natürlich die Gelegenheit zum Fischen. Kleiner Wermutstropfen sind die sanitären Anlagen, die einer Erneuerung harren. 

Bevor wir Lettland verlassen, haben wir noch ein Naturerlebnis für Sie bereit. Sie sollten keinesfalls den Naturpark Daugavas loki verpassen, durch den die Daugava in neun Schleifen fließt.
Die besten Eindrücke von den zahlreichen Schluchten und Steilhängen bekommt man bei einem Bootsausflug oder wenn man vom Aussichtsturm Vasergeliski oder von der Ruine der Dünaburg hinab auf die Daugava blickt.

Ein kurzer Rundgang durch die Festungsanlage von Daugavpils, der zweitgrößten Stadt Lettlands, und schon gleiten Sie ganz unbeschwert kurz nach Medumi nach Litauen. 

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