Blaumachen erwünscht – der Blaudruck – Tradition aus dem Burgenland

blaudruck-trocknen-blaudruckerei-koo-d_fDas Handwerk und seine Individualität sind wieder gefragt und im Zuge dieses Trends erlebt auch der Blaudruck, lange Zeit die Kunst der armen Leute, heute wieder eine Renaissance.

Die wahrscheinlich aus Indien stammende Drucktechnik breitete sich über den Orient bis hin nach Afrika aus und erlebte im 17. und 18. Jahrhundert den größten Aufschwung in Mitteleuropa. Da Indigo aufgrund der großen Distanzen und des hohen Preises zu teuer war, wurde in Mitteleuropa zum Blaufärben der heimische Färberwaid verwendet. Um 1880 gelang Adolf von Baeyer die Indigosynthese und Blaudruckstoffe wurden zur Alltags- und Arbeitskleidung verarbeitet.
Da die Herstellung von diesen Stoffen aufwendig war, wurden mit zunehmender Industrialisierung und der Entdeckung von Indanthrenfarben viele Betriebe geschlossen.
Heute geht auch in der Mode der Trend weg von der Massenware und hin zur Individualität, daher sind die Produkte einer der letzten in Europa bestehenden Blaudruckereien beim Konsumenten wieder gefragt.
Bereits in dritter Generation betreibt die Familie Koó in Steinberg im Burgenland ein kleine Färberei und verarbeitet hochwertige Stoffe zu indigofarbene Unikate. Mit über 200 Jahre alten, aus Birnen- oder Lindenholz geschnitzten Model bedruckt Joseph Koó mit seiner von Hand betriebenen Walzendruckmaschine Leinen, Baumwolle und Seide mit dem „Papp“, der nach bestgehütetem Blaudrucker-Rezept aus Gummiarabikum und Tonerde hergestellt wird. Ehe es ans Färben geht und um die Feinheit der weißen Musterung zu gewährleisten, müssen die Stoffe zirka drei Wochen trocknen. Auf kleinen Messinghaken wird die Ware in den Sternreifen gespannt. Die an den Rändern entstehenden kleinen Löcher sind typisch für diese Art der Färbung. Bis bei der Färbung schließlich der gewünschte kräftige Blauton entsteht, wandern die bedruckten Stoffe acht- bis zehnmal in die aus den Hauptbestandteilen Wasser, Indigo und Kalk bestehende „Küpe“. Anschließend wird der Papp ausgewaschen und der Stoff im Freien getrocknet.
Die Spezialität des Blaudruckers Joseph Koó sind die Doppeldrucke, die auf Vorder- und Rückseite je ein anderes Muster aufweisen. Daraus entstehen Schürzen, Taschen, Tischtücher, Hemden und Schals im typischen Indigoblau. All diese Produkte sowie Meterware aus Baumwolle, in 80 cm Breite, können in dem angeschlossenen Laden erworben werden.

http://www.originalblaudruck.at

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