Der heurige Frühling stand bei unseren Reisen ganz im Zeichen von Österreich. Zuerst war wieder Salzburg angesagt, danach machten wir ein paar Tage Rast in Bad Mitterndorf, landeten etwas später in Eisenstadt und auf Burg Forchtenstein und den nächsten Schwerpunkt legten wir auf Graz und die umliegende Region.
Und da wir uns vorgenommen hatten, kulturelle Lücken zu schließen, war ein Besuch des Barockschlosses Eggenberg angesagt.
Das im Westen von Graz gelegene Schloss ist eindeutig ein Zeichen der Macht, das der damalige Bauherr Fürst Heinrich Ulrich von Eggenberg setzte.
Der vom provinziellen Patriziersohn zum Vertrauten von Kaiser Ferdinand II. aufgestiegene Eggenberg wollte aller Welt zeigen, wie bedeutend seine Stellung bei Hofe sei und welchen Einfluss seine Familie bei der politischen Gestaltung des Landes innehatte.

Eggenberg wollte mit dem Bau neue Maßstäbe in der Architektur setzen und ließ ein Gesamtkunstwerk erbauen, das ein Abbild des Universums werden sollte.
Die Räume des wohl bedeutendsten Schlosses der Steiermark sind prunkvoll ausgestattet und allein in der Beletage sind über 500 Deckengemälde zu bewundern, die mit mythischen Figuren, Göttern und Tugendvorstellungen ausgestattet sind.
Nach dem Durchschreiten des weltberühmten Planetensaals folgen 24 weitere Prunkräume, die mit bemalten Wandbespannungen, kostbaren Lüstern, Gemälden von berühmten Meistern oder seltenen ostasiatischen Dekorationen für Kunstgenuss pur sorgen.
Heute beherbergt das zum UNESCO Welterbe gehörende Schloss vier Museen, in denen kostbare Sammlungen des Universalmuseums Joanneum untergebracht sind.
Neben dem Gesamtkunstwerk Schloss Eggenberg finden Besucher und Besucherinnen noch das etwas abseits gelegene Archäologiemuseum, in dem mehr als 1.200 Objekte zu einer Zeitreise durch die Jahrhunderte einladen.

Eine kulturelle Kunst- und Kultur-Geschichtsreise bietet die im Schloss beherbergte „Alte Galerie“, in der in 22 Räumen Kunstschätze gezeigt werden, unter denen sich Gemälde von Jan und Pieter Brueghel bis zu Kremser Schmidt befinden. Über 300 Gemälde und Skulpturen veranschaulichen 600 Jahre Kunst, Kultur und Lebensumstände, ausgehend vom Mittelalter bis zum Ende des 18. Jahrhunderts.
Erzherzog Johann können wir es verdanken, dass die zweitgrößte Münzensammlung Österreichs in der Schatzkammer des Münzkabinetts bewundert werden kann. Bereits im Jahre 1811 gab er den Befehl, dass „inländische Münzen von allen Metallgattungen zusammengereihet“ werden und heute bietet das Münzkabinett rund 70.000 Objekte, die einen Überblick des Münzwesens von der Antike bis ins 18. Jahrhundert möglich machen.

So wie die Architektur des Schlosses sich an dem Abbild des Universums orientiert, so erfolgte die Planung der weitläufigen Gartenanlagen ganz nach Vorbildern des Barocks. Im 19. Jahrhundert folgte man dem Zeitgeist und die Parkanlage wurde zu einem Landschaftsgarten umgestaltet. Anfang des 20. Jahrhunderts erfolgte eine nochmalige Umgestaltung und heute präsentiert sich die Gartenanlage, so wie das Schloss selbst, als meisterlich gestaltetes Gesamtkunstwerk.
Schloss Eggenberg
Eggenberger Allee 90, 8020 Graz
Die Prunkräume sind nur im Rahmen einer Führung zugänglich, Alte Galerie, Münzkabinett und Archäologiemuseum sowie Schlosspark und Gärten können zu bestimmten Zeiten, gegen Entgelt, besucht werden.
Nähere Details über Öffnungszeiten unter www.welterbe-eggenberg.at.
Fotos: ©V.Holzinger, Schloss Eggenberg, Graz
