„Sex sells“ – sicher keine Erfindung unserer Zeit, sondern seit Menschengedenken Garant dafür, dass sofort viel Aufmerksamkeit erzeugt wird.
Wird dann das jeweilige Produkt auch noch skandalisiert, dann ist ein Bestseller geboren.
Auch der Renaissance-Dichter Giovanni Boccaccio bediente sich des Mottos und schrieb Mitte des 14. Jahrhunderts das „Decamerone“, das bald auf einer schwarzen Liste landete, öffentlich verbrannt und trotz aller Widerstände ein Verkaufsschlager wurde.
Franz von Suppè griff den Stoff auf, packte die „weichgespülte“ Handlung in hinreißende Musik und schuf mit „Boccaccio“ sein erfolgreichstes Bühnenwerk.
Die in letzter Zeit selten gespielte Operette gibt es heuer beim Lehár Festival Bad Ischl und Besucher und Besucherinnen können sich an Ohrwürmern wie „Hab ich nur Deine Liebe“ oder auch „Florenz hat schöne Frauen“ erfreuen.
Die Handlung wurde leicht umgemodelt, es darf aber wieder geliebt, betrogen, gelacht und auch getäuscht werden.
Das Ensemble lässt all die Melodien auferstehen, die die Operette zum Höhepunkt von Suppés Schaffen machten, die erzählten Geschichten spielen nur eine Nebenrolle, die Musik siegt eindeutig.
Das Publikum bedankt sich mit viel Applaus dafür, dass die Handlung zwar etwas umgeschrieben wurde, Regietheater nur ansatzweise vorhanden ist, es teilweise mehr als turbulent auf der Bühne zugeht, dass musikalisch ein perfekter Hörgenuss geboten wird und dass die opulente Ausstattung, samt Bühnenbild und Kostümen, ein Labsal für die Augen sind.
Lehár Festival Bad Ischl
BOCCACCIO
Operette von Franz von Suppè
Libretto von Friedrich Zell und Richard Genée
bis 30. August 2026
Kongress & TheaterHaus Bad Ischl
Kurhausstraße 8, 4820 Bad Ischl
Weitere Veranstaltungstage unter www.leharfestival.at
Foto: ©fotohofer.at, Leharfestival Bad Ischl, Boccaccio
