Mit dem Wohnmobil durchs Baltikum – Lettland – Riga

Mit dem Wohnmobil durchs Baltikum – Lettland – Riga

Fotos: ©H. & V. Holzinger 
Riga ist nicht nur die Hauptstadt Lettlands, sondern mit rund 690.000 Einwohnern und Einwohnerinnen auch die größte Stadt des Baltikums.

2001 feierte die Hansestadt Riga ihr 800jähriges Bestehen und sieht, so wie alle baltischen Städte, auf eine mehr als wechselvolle Geschichte zurück. Aufgrund ihrer exzellenten Lage am südlichen Ufer der Rigaer Bucht, an der Mündung der Daugava gelegen, entwickelte sich die Stadt schon frühzeitig zum multikulturellen Zentrum und zu einem wichtigen Handelsplatz.

Schweden, Polen, Russen, Deutsche, sie alle wollten in den Besitz der Stadt gelangen und hinterließen im Laufe der Jahrhunderte sichtbare Spuren. Und genau auf diesen Spuren wandeln jährlich tausende Besucher und Besucherinnen, die den Mix aus Altertum bis Jugendstil im historischen Altstadtkern bewundern.

Architektonisch hat Riga so allerhand zu bieten. Wer durch die verwinkeltem Gassen der Altstadt bummelt, steht bald beim St. Marien-Dom, der größten mittelalterlichen Kirche des Baltikums. Im Inneren des Doms findet man die aus Deutschland stammende Walcker-Orgel, die mit ihren rund 6700 Pfeifen zu ihrer Entstehungszeit zu den größten der Welt zählte und für die Franz Liszt zur Einweihung den Choral „Nun danket alle Gott“ schrieb. Leider ist von der einstigen Pracht im Innenraum wenig erhalten. So wie in vielen Kirchen, so wurde auch im Rigaer Dom während der Reformation die Ausstattung geplündert und zerstört.

Hinter dem Dom, in der Palasta iela, befindet sich im Obergeschoss des Domklosters das Museum für Stadtgeschichte und Schifffahrt, in der neben zahlreichen Ausgrabungsfunden auch ein Wahrzeichen der Stadt, der „Große Christoph“, zu finden ist.

Kunstinteressierte werden die nach einem venezianischem Renaissencepalast gestaltete Rigaer Börse nicht nur von außen bewundern, sondern auch das Innere besuchen. Das ehemalige Börsegebäude beherbergt nämlich das Kunstmuseum, in dem Kunstwerke aus aller Welt ausgestellt sind.

Riga, ©V. + H. Holzinger

Das älteste Wohnhaus der Stadt gehört zu dem Bauensemble „Drei Brüder“, in dem das Architekturmuseum zu finden ist und auch einen Einblick in das baugeschichtliche Werden der Stadt gibt. 

Nur einen Katzensprung entfernt, im Rigaer Schloss, residiert der Präsident der lettischen Republik. So wie die Stadt, so blickt auch das Rigaer Schloss auf eine von Krieg und Zerstörung geprägte Geschichte zurück. 1330 als Festung erbaut, mehrmals zerstört, unter Zwang wieder aufgebaut, umgestaltet und heute sehenswerter Sitz des lettischen Präsidenten. 

Einst sollen ja untreue Ehefrauen einen großen Bogen um den 80 Meter hohen Kirchturm der St. Jakobs-Kathedrale gemacht haben. Der auf dem Kirchturm befindlichen Glocke wird nämlich nachgesagt, dass sie immer dann läutete, wenn so eine Untreue an ihr vorbeiging. Na ja, ein Gschichterl, das nie so wirklich bewiesen werden konnte. Wahr ist jedoch, dass die Glocke des gotischen Kirchturms immer dann geläutet wurde, wenn Gefahr drohte und die Bevölkerung gewarnt werden sollte. 

Stilvoll residiert das lettische Parlament in dem in florentinischer Renaissance errichteten Saeima, das einst als Versammlungsort der livländischen Landtage genutzt und in den Jahren 1863 bis 1867 nach Plänen von Robert Pflug und dem bekannten lettischen Architekten Jānis Frīdrihs Baumanis errichtet wurde. 

Wer beim lettischen Parlament angekommen ist, stösst schön langsam an die Grenze des ehemaligen Altstadtkerns, der einst durch eine Stadtmauer geschützt war. 28 Festungstürme gab es einst, von denen nur mehr der „Pulverturm“ in das Heute gerettet werden konnte. Reste der alten Mauer finden sich auch in der Torna iela, die das „Schwedentor“, das einzig erhaltene Stadttor, mit der Altstadt verbindet. Gleichzeitig zeugt das Schwedentor davon, wie rücksichtslos die einstigen Besatzer vorgingen. Um den Zugang zu den außen liegenden Kasernen, die heute Boutiquen und Souvenir-Läden beherbergen, zu ermöglichen, wurde einfach in ein bestehendes Haus eine Öffnung gebrochen.

Wenn Sie jetzt wieder Richtung Altstadtmitte bummeln, schauen Sie beim Katzenhaus vorbei, das einst von einem lettischen Kaufmann erbaut wurde, der nicht sehr gut auf die Gilde zu sprechen war. Besuchen Sie auch die Gildehäuser, die aus dem 19. Jahrhundert stammen und in deren Inneren ein kleiner Zeitsprung in die vorherigen Jahrhunderte absolviert werden kann. 

Riga, © V. + H. Holzinger

Strandeln Sie doch die Skarnu iela, eine der ältesten Straßen Rigas, zu dem ältesten Gebäude der Stadt, zu der Georgskirche, wo sich heute das Museum für angewandte Kunst befindet. An der Skarnu iela liegen auch die Petrikrche, deren spitz zulaufender Turm die Silhouette der Altstadt beherrscht, sowie die Johanniskirche und das Eckes Konvent, das einst als Witwenheim diente. 

Gleich hinter der Johanniskirche und Eckes Konvent liegt der Johannishof, wo Fragmente des ersten Bischofssitzes und ein kleines Stück rekonstruierter Stadtmauer mit Wehrgang zu besichtigen sind.

Noch ein kleiner Side-Step zum in nördlicher Barockarchitektur errichteten „Reutnerhaus“ und zum Speicherviertel, das noch einen kleinen Einblick in die einstige Blütezeit Rigas bietet. 

Die Runde durch die Altstadt ist fast geschafft beim „Schwarzhäupterhaus“, das einst unverheirateten, ausländischen Hansekaufleuten als Herberge diente. Im zweiten Weltkrieg zum Teil schwer zerstört, von den Sowjets dann gesprengt und im Zuge der 800-Jahr-Feier rekonstruiert und im Stil baltischer Backsteingotik neu aufgebaut. 

Jetzt sollten Sie sich am Rathausplatz eine größere oder kleinere Pause gönnen, denn die Besichtigung von Riga ist noch lange nicht abgeschlossen. 

Die Altstadt Rigas wird von einem breiten Gürtel an netten Parks umgeben, die in die Neustadt überleiten, in der die meisten der berühmten Jugendstilhäuser zu finden sind, die den lettischen Nationalcharakter widerspiegeln. In der Alberta iela finden sich die meisten Gebäude mit reich verzierten Fassaden, die unter anderem von dem bekannten lettischen Jugendstil-Architekten Michael Eisenstein entworfen wurden. 

Riga, ©V. + H. Holzinger

Auch ein Bummel über den Freiheitsboulevard darf nicht fehlen und ein Besuch der Moskauer Vorstadt mit deren Holzhäusern sollte in das Besichtigungsprogramm eingebaut werden. 

Eine Besonderheit stellt der Blumenmarkt dar, der Tag und Nacht geöffnet hat, auch ein Bummel über den Zentralmarkt, der einen Einblick in das tägliche Leben und die Lebensgewohnheiten der Letten und Lettinnen erlaubt, ist sehr informativ.

Und wenn Sie sich dann an all den Architekturjuwelen, den schicken Boutiquen und dem Gewurrl in der Alt- und Neustadt satt gesehen haben, dann sollten Sie sich aufmachen, auch einen kleinen Blick auf das restliche Riga zu werfen, denn, so wie jede Großstadt, so besteht Riga nicht nur aus dem sehenswerten Altstadtkern. 

Wer sich aus der Altstadt hinausbewegt, findet sich in einer Großstadt wieder, an der noch immer der Zahn der Zeit nagt. Aufgrund des hohen Hochhausbooms steht Riga, so wie Wien, auf der Roten Liste der UNESCO, auch harren noch viele Bauten einer Erneuerung. Gleichzeitig ist Riga wirtschaftliches Zentrum und Verkehrsknotenpunkt Lettlands und die einzige Universitätsstadt des Landes. Das Kulturleben spielt sich zum größten Teil in Riga ab und wird auch von dem oft jungen Publikum gerne angenommen. 

Langsam und sehr mühsam streifen auch die Außenbezirke ihre graue Tristesse ab und Lettlands Hauptstadt wird wieder um eine Facette reicher.

Kleiner Nachtrag für Camping-Fans: Übernachtet haben wir im Riga City Camping, das rund 3 Kilometer von der Innenstadt entfernt liegt. Das Camping bietet sämtliche Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten, saubere Sanitäranlagen sowie Waschmaschine und Trockner, die WLAN-Nutzung ist extra zu bezahlen.

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