Bulgarien – Kultur- und Naturerlebnisse zwischen Donau und Schwarzmeerküste

Bulgarien – Kultur- und Naturerlebnisse zwischen Donau und Schwarzmeerküste

Bulgarien, in Südosteuropa, im Nordosten der Balkanhalbinsel gelegen, besitzt eine Fläche von 111.000 m2 auf der rund 7,4 Millionen Menschen leben. Lange Zeit Übergangsland zwischen Europa und dem Orient, bildet einerseits das dicht besiedelte Donauland im Norden und die dicht bewaldeten Rhodopen im Süden die natürlichen Grenzen zu den Anrainerstaaten. Landschaftsprägend ist der bis 2.400 m hohe Balkan, der das Land von Westen nach Osten auf einer Länge von 600 Kilometer durchzieht.

Die Geschichte Bulgariens reicht bis in die Jungsteinzeit, aus der noch mehr als 7000 Jahre alte Goldschmiedearbeiten erhalten sind. Das Volk der Thraker hinterließ aus der Bronzezeit mächtige Hügelgräber, die heute zu den Besichtigungshighlights Bulgariens zählen. Nach den Thrakern kamen die Römer und ab 395 nach Christus übernahm Byzanz die Macht. Im Jahre 681 wurde das erste Bulgarische Reich gegründet, das im Jahre 1014 von Byzanz angegriffen und erobert wurde. Unter der Herrschaft der Byzantiner entstanden mächtige Klöster, die bis heute erhalten sind. Nach dem Sieg über die Byzantiner im Jahre 1186 entstand das zweite Bulgarische Reich, das in den nächsten Jahrhunderten zu einem politischen und kulturellen Zentrum in Südosteuropa heranwuchs. Im Jahre 1396 besetzten die Osmanen das zweite Bulgarische Reich und erst 1878 erhielt ein Teil des Landes seine Unabhängigkeit zurück. Bis zur ersten freien Wahl im Jahre 1990 durchlebte Bulgarien, wie ganz Europa, zwei Weltkriege und erhielt nach dem Zweiten Weltkrieg ein kommunistisches Staatssystem nach sowjetischem Vorbild. Seit dem 1. Jänner 2007 ist Bulgarien Mitglied der Europäischen Union und versucht seither, die noch immer vorhandene Korruption in den Griff zu bekommen und das Land, mit wechselndem Erfolg, dem westlichen Standard anzugleichen.

Bulgarien_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien_Copyright Veronika Holzinger

Die meisten Touristen, die nach Bulgarien kommen, genießen Badeferien an der Schwarzmeerküste. Wer nur zum Baden kommt, der versäumt enorm viele Naturschönheiten und Kulturschätze im ganzen Land. Allein neun Stätten in Bulgarien wurden von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt und sind allemal einen Besuch wert.
Die rhythmische Vielfalt der bulgarischen Volksmusik ist weit über die Landesgrenzen bekannt und während der Besatzung durch die Osmanen war die Folklore eine der wichtigsten Mittel zur Bewahrung der nationalen Identität.
Die bulgarische Natur ist zum Teil noch wild, zahlreiche National- und Naturparks sowie Reservate versuchen den außergewöhnlichen Reichtum an Pflanzen- und Tierwelt zu erhalten. Über 29.000 Tierarten leben in Bulgarien und rund 170 endemische Pflanzen wurden gezählt. Für Wanderer wurde und wird ein dichtes Netz an Öko-Wanderwegen geschaffen, die zu Natursehenswürdigkeiten und kleinen Örtchen führen, die weit ab vom Massentourismus liegen. Weite Täler und Felder wechseln sich mit hohen Bergen und majestätischen Felsmassiven ab, klare Seen beinhalten eine reiche Anzahl an Süßwasserfischen und in den dichten Wäldern hausen neben Füchsen auch Bären.
Je nach Meereshöhe und Region findet man gemäßigtes Kontinentalklima, Übergangskontinentalklima, Mittelmeer-, Meeres- und Gebirgsklima. Die Jahreszeiten sind ausgeprägt und ermöglichen während der Sommersaison das Baden und im Winter das Schifahren.
Wer Bulgarien bereist, sollte nicht die durchwegs gut ausgebauten Hauptverkehrswege nehmen, sondern die Sträßchen wählen, die kurvenreich und schmal durch abgelegenen Gebiete führen. Hier kann man noch in die landestypische Atmosphäre eintauchen, bekommt einen Einblick in das Leben der Menschen und stolpert von einer Naturschönheit zur nächsten.
Wir hatten zehn Tage Zeit, dieses Land zum Teil kennenzulernen. Dank unserer Freunde in Bulgarien, die sämtliche Organisation für uns durchführten, konnten wir, so dachten wir, relaxt in unseren Urlaub starten.
Unser Flug Wien – Sofia war schon lange gebucht, unsere Freunde wollten uns vom Flughafen abholen, zum Hotel bringen und uns dann Sofia zeigen. Nun, der Mensch plant und die Austrian Airlines handeln. Am späten Abend vor unserem Abflug erhielten wir die Nachricht, dass unser Flug am nächsten Vormittag gestrichen sei und wir auf die Morgenmaschine umgebucht würden. Viele Telefonate zwischen Sofia und Wien später konnte der Transfer umorganisiert und sämtliche daran hängende Termine umkoordiniert werden. Am Flughafen, beim Einchecken, fragten wir nach den Gründen der Stornierung. Die Dame am Schalter war mehr als erstaunt, denn der von uns gebuchte Flug war nicht storniert und sollte termingerecht starten. Eine Erklärung für das Umbuchen konnte auch sie nicht liefern. Nach technischen Problemen mit dem Bordcomputer, starteten wir verspätet, aber doch zu früh, Richtung Sofia, der Hauptstadt von Bulgarien.
Sofia empfing uns mit schwülem Wetter und danach strahlendem Sonnenschein. Nach dem Deponieren unseres Gepäckes in dem sehr empfehlenswerten Hotel Crystal Palace stand natürlich für uns ausgehungerte Touristen ein ausgiebiges Mittagsmahl am Programm. Unsere Freunde hatten in dem nur zwei Häuser weiter gelegenem Restaurant „Club der Architekten“ einen Tisch bestellt und die nächsten zwei Stunden konnten wir einen größeren Querschnitt aus der Küche Bulgariens genießen. Nach diesem opulenten Willkommen war ein längerer Spaziergang durch Sofia angesagt.

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Sofia, die größte und bevölkerungsreichste Stadt Bulgariens, blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. In der gleichnamigen Sofia-Ebene gelegen, wird es vom Vitoscha-Gebirge überragt. Thraker hinterließen genauso ihre Spuren, wie Römer, unter deren Herrschaft sich Sofia zu einer blühenden Metropole entwickelte. Hunnen, Goten, Slawen und Kreuzritter plünderten und zerstörten im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Gebäude. Während der osmanischen Herrschaft kamen zu den noch erhaltenen antiken und mittelalterlichen Resten islamische Bauten dazu. Sofia wurde zur blühenden Handelsstadt, die durch schwere Erdbeben immer wieder zum Teil zerstört wurde. 1897 wurde Sofia zur Hauptstadt von Bulgarien erklärt und erlebte eine enorme Bautätigkeit, die der Stadt ein westliches Gepräge gab. Parks wurden angelegt, das Parlament, die Staatsdruckerei, die Militärakademie, etliche Ministerien sowie der Zarenpalast oder das Nationaltheater wurden errichtet. Nach den Balkankriegen und dem Ersten Weltkrieg war für Flüchtlinge dringender Wohnbedarf gegeben, der durch den Bau von ganzen Wohnvierteln gedeckt wurde. Im Zweiten Weltkrieg schweren alliierten Bombenangriffen ausgesetzt, begann nach dem Krieg eine weitere Phase des Aus- und Aufbaus nach sozialistischem Muster.

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Das Wahrzeichen Sofias schlechthin ist die Alexander-Newski-Kathedrale. Wir warteten, bis die kleine Demonstration, die sich vor der Kirche angesammelt hatte, ihren Weg zum Parlament einschlug und besuchten dann die nicht nur außen sondern auch innen wunderschöne Kirche. Rund 5000 Leute fassend, beinhaltet die im neobyzantinischen Stil erbaute Kathedrale zahlreiche Wandgemälde, Ikonen und Schnitzereien. Das in der Krypta untergebrachte Ikonenmuseum ist ein absolutes Highlight und beinhaltet sehenswerte Objekte.

Über die in der Monarchie von Österreich gespendeten Pflastersteine schlenderten wir zur Kirche der Heiligen Sofia, der zweitältesten noch bestehenden Kirche der Stadt. Vorbei an der Rückseite der Russischen Kirche, wo im anschließenden Park von gemalten Ikonen bis zu schnell angefertigten Porträts so allerlei zu erwerben ist, zum Theater Iwan Wasow, zur Zentralbank bis zum Justizpalast und auf der Parallelstraße wieder zurück. Natürlich mussten wir beim Retourweg der im Moskauer Stil erbauten russischen Kirche einen Besuch abstatten und ein kleiner Kaffee im Radisson SAS, gegenüber dem Reiterdenkmal von Zar Alexander II., ging sich allemal noch aus.

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Den restlichen Teil von Sofia hoben wir uns für das Ende der Reise auf, denn es war Zeit in unser Hotel zurückzukehren, kurz zu duschen und unsere Freunde aus Albanien zu begrüßen, die mit uns die Bulgarienreise absolvieren wollten.
Da unsere Freunde aus Bulgarien annahmen, wir seien dem Hungertod nahe, spazierten wir zu einem typisch bulgarischem Restaurant, wo schon ein Tisch für zwölf Personen bestellt war und genossen die so typisch bulgarische Gastfreundschaft. Zu später Stunde, mit vollen Bäuchen, machten wir uns auf zu unserem Hotel und sanken ermattet in die Betten. Schnell schlafen war angesagt, denn am nächsten Morgen wollten wir mit unserer Rundreise starten.
Pünktlich um 9:30 Uhr stand unser Fahrer für die nächsten Tage im Foyer des Hotels. Von uns „Dimitri“ genannt, neunzehn Jahre jung, in Bulgarien geboren, in Österreich aufgewachsen und seit einem halben Jahr wieder in Bulgarien, sprach perfektes Deutsch und strotzte vor Tatendrang. Nach dem Verladen des Gepäckes setzte sich ein Konvoi, bestehend aus unserem Mini-Bus und zwei Privat-PKW, in Bewegung. Zuerst ein Stück auf der Autobahn, wo wir auf einem Parkplatz noch zwei Freunde trafen, die uns vorausfuhren und ab sofort die Führung übernahmen.
Über breite Hauptstraßen, dann über immer schmäler werdende Straßen und Sträßchen hinauf in die Rhodopen.
Der Gebirgszug der Rhodopen, deren Name auf die thrakische Göttin Rodopa zurückgeht, gliedert sich in die West- und Ost-Rhodopen und beherbergt einige der schönsten und malerischsten Gegenden Bulgariens. Entlang der griechischen Grenze gelegen, befindet sich der größte Teil des Gebirges auf bulgarischem Gebiet. Dichte Wälder, in denen Bären, Wölfe und Füchse leben, klare Seen, die wegen ihrer Fische berühmt sind, antike Kultstätten, malerische Dörfer und alte Klöster zeichnen das ausgedehnte Gebiet der Rhodopen aus. In den Ost-Rhodopen kreisen noch Schmutz- und Gänsegeier sowie der Östliche Kaiseradler und der Rötelfalke. Hier wachsen Kastanien, Feigen und Orchideen, während im Westen Gebirgsklima vorherrscht. Im Sommer beliebtes Wandergebiet, wird hier in der Wintersaison Schi gefahren. Einige der bekanntesten Bäder- und Spa-Orte sind in den Rhodopen beheimatet, Schluchten zählen zu den Höhepunkten jeder Reise und Höhlen können erforscht werden.

Bulgarien Zlatograd_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Zlatograd_Copyright Veronika Holzinger

Mit Legenden reich gesegnet, soll in diesem Gebiet einst der sagenhafte Sänger Orpheus mit seiner Stimme betört haben. Bis heute sind im Gebirge noch zahlreiche Überreste antiker und mittelalterlicher Festungen zu finden, hier soll sich der Tempel des sagenumwobenen Gottes Dionysos befunden haben. Der Felsenkomplex Perperikon und das thrakisches Heiligtum beim Dorf Tatul erinnern an diese mystische Zeit.
In den Rhodopen siedelt die Mehrzahl der bulgarischen Muslime. Im Osten leben vor allem bulgarische Türken, während die in der Osmanenzeit islamisierten Bulgaren, die die Bevölkerungsmehrheit hier stellen, in den West- und Mittel-Rhodopen beheimatet sind.
Seit Jahrhunderten mit den anderen Bevölkerungsteilen des Landes friedlich zusammenlebend, werden in letzter Zeit die Töne rauer und Bestrebungen nach einer autonomen Region intensiver. Seit der politischen Wende 1989 mussten viele staatlichen Betriebe schließen, nun setzt man auf Ökotourismus. Die ansässigen Bauern leben in den Ost-Rhodopen von Wein- und Tabakanbau, in den West-Rhodopen ist der Erdäpfelanbau vorherrschend.
Nach dem Beitritt zur Europäischen Union flossen Fördergelder zum Ausbau der Infrastruktur in die Region, gleichzeitig wurden aber seit einiger Zeit die Förderungen für den Tabakanbau gestrichen. Dies führt dazu, dass viele Bauern mit ihrer Existenz kämpfen und alternative Nischenprodukte suchen müssen. Nicht nur aus der EU kamen Fördergelder, die islamischen Länder fördern seit einiger Zeit den Ausbau von Moscheen und Koranschulen.

Bulgarien Smoljan_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Smoljan_Copyright Veronika Holzinger

Unser kleine Konvoi fuhr nun quer durch die Rhodopen und plötzlich bogen unsere vorausfahrenden Freunde auf ein kleines Schottersträßchen ab, das steil einen Hügel hinaufführte. Am Ende der Straße war ein kleiner Parkplatz und daneben ein Häuschen, das sich als Fischrestaurant herausstellte. Auf der Terrasse, mit Ausblick auf die umliegende Landschaft, wurde im Hannah King-Fisch-Restaurant aufgefahren, was die Küche zu bieten hatte. Als Vorspeisen die diversesten Salate, frisch gebackenes Brot und Aufstriche aus Gemüse. Dann kamen fangfrische Fische samt Beilagen auf den Tisch und als Abschluss gab es noch türkischen Kaffee. Als wir schon gehen wollten, servierte der Wirt, mit einem „für Euch“, frisch gebackenes Baklava. Er hatte zwei Jahre in Berlin gearbeitet, war wieder nach Bulgarien zurückgekehrt und führt nun ein Restaurant, das zwar klein ist, aber mit herrlichen Fischspezialitäten aufwartet.
Zwei unserer Freunde mussten sich leider verabschieden, der Broterwerb rief. Nach kurzem Winken verschwanden sie aus unserem Blickfeld. Unser wieder auf drei Autos zusammengeschrumpfter Konvoi setzte die Fahrt weiter durch die Rhodopen fort. Unser Weg führte uns durch dichte Wälder, abgeschiedene kleine Bauerndörfer, bergauf und bergab. Dimitri, sonst sehr quirlig, fuhr konzentriert die engen Kurven und wurde immer einsilbiger. Bei unserer Bemerkung, hier sehe es eindeutig nach „Bärengebiet“ aus, wurde sein Fahrstil noch vorsichtiger. Als die von uns benutzte Straße endlich an einer etwas größeren Straße mündete, die auch noch in eine kleine Stadt führte, war seine Freude ob der vorhandenen Zivilisation nicht zu übersehen. Nun, diese Freude währte nicht lange. Denn schon mussten wir wieder auf eine kleine, schmale Nebenstraße abbiegen und unsere Fahrt durch die Wälder ging weiter. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir die am südlichsten gelegene bulgarische Stadt Zlatograd, die in den nächsten zwei Tagen unser Standort sein sollte.

Bulgarien Zlatograd_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Zlatograd_Copyright Veronika Holzinger

Zlatograd, an der Grenze zwischen Bulgarien und Griechenland gelegen, mitten im Herzen der Rhodopen, an sich eine moderne Stadt, besitzt architektonische und kulturelle Denkmäler, die davon zeugen, dass dieses Gebiet früher schon vorwiegend von Bulgaren besiedelt war. Neben der ältesten Kirche der Rhodopen findet man hier auch ein großes Freilichtmuseum, in dem man die typischen alten rhodopischen Häuser mit kurzen Dächern und einheitlichen Dachziegeln bewundern kann. Neben vielen Werkstätten beherbergt der Komplex auch Wohnungen und Restaurants, die besonders am Abend prallvoll sind und ausgezeichnete bulgarische Küche bieten. Einmal im Jahr finden die „Deliovi prasnitzi“ statt. Zu diesen Festtagen sind in Zlatograd sämtliche Zimmer ausgebucht, denn aus dem ganzen Land treffen Volksgruppen ein, die feiern wollen. Die Straßen sind voll Menschen in landestypischen Trachten, es wird musiziert und es geht bis in die späte Nacht rund. Sicher ist auch eine spärliche Anzahl von Touristen anwesend, es ist aber ein typisches Fest der bulgarischen Bevölkerung.
Unweit von Zlatograd liegt Tatul, wo der Sage nach einst der Sänger Orpheus sein Grab gefunden hat. Die thrakische Ausgrabungsstätte liegt auf einem Hügel und gab Schätze frei, die von einer Besiedelung vor bereits 6000 Jahren stammen könnten.

Bulgarien Tatul_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Tatul_Copyright Veronika Holzinger

Auch Perperikon, einst thrakische Heilstätte, ist in einem Tagesausflug zu erreichen, weiters bietet das Gebiet ausgedehnte Wandermöglichkeiten bis nach Griechenland, sowie Naturschauspiele wie zum Beispiel die berühmten Pilzformationen.
Zwei unserer Freunde wollten noch länger in den Rhodopen bleiben, wir sollten sie später in Sofia wieder treffen. Unser auf neun Personen zusammengeschrumpftes Grüppchen machte sich jedoch auf, die alten Städte Sozopol und Nessebar am Schwarzen Meer zu erforschen.
Bald schon verließ unser kleiner Konvoi die Rhodopen und über die Autobahn näherten wir uns der Schwarzmeerküste.

Bulgarien Sozopol_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Sozopol_Copyright Veronika Holzinger

Das Städtchen Sozopol empfing uns mit strahlendem Sonnenschein und warmen 25° Celsius. Wir mieteten uns im Hotel Coral ein und wollten in den nächsten Tagen die Stadt sowie die nähere und weitere Umgebung erkunden. Das Hotel Coral liegt schön auf den Klippen, der Strand ist einen Steinwurf entfernt und gegenüber des Hotels liegt die sehenswerte Altstadt von Sozopol. An sich ein nettes, gut gelegenes Hotel, erkannten wir doch eine gewisse „Saisonmüdigkeit“. Die Dachterrasse war während des gesamten Aufenthalts geschlossen, Obst und warme Eierspeise oder Eier gab es nur als eine bekannte Fußballmannschaft im Hotel nächtigte. Am nächsten Tag gab es zum Frühstück die kalten Reste vom Vortag, die zum Wärmen vorgesehenen Rechauds bleiben kalt. Das Swimmingpool enthielt zwar Wasser, das aber anscheinend in den letzten Wochen nicht gewechselt worden war und eine dementsprechende Wasserqualität aufwies.
Wir ließen und von solchen Kleinigkeiten nicht die Laune verderben und erforschten die malerischen engen Gassen von Sozopol. Eine der ältesten Städte Bulgariens, geht die Geschichte der Stadt bis ins sechste Jahrhundert vor Christus zurück. Die ehrwürdigen alten Häuser aus der Wiedergeburtsepoche sind malerisch auf dem felsigen Ufer erbaut und beherbergen neben zahlreichen Restaurants viele Handwerksbetriebe und natürlich Geschäfte mit Krimskrams für Touristen. Das Archäologische Museum der Stadt besitzt eine höchst sehenswerte Sammlung von seltenen griechischen Gefäßen sowie eine Sammlung von ganzen Amphoren.
Nach dem wir die Stadt ausgiebigst besichtigt hatten, nahmen die mutigsten drei unserer Gruppe ein sehr, sehr erfrischendes Bad im Schwarzen Meer, wir ließen uns die Sonne ins Gesicht scheinen und genossen schöne Stunden.

Bulgarien Nessebar_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Nessebar_Copyright Veronika Holzinger

Am nächsten Tag stand einer der berühmtesten bulgarischen Kurorte am Programm. Wir machten uns nach Nessebar auf, das von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt wurde. Der Wettergott meinte es an diesem Tag nicht gut mit uns. Als wir im romantischen Städtchen eintrafen, schüttete es „wie mit Schaffeln“. Da keine Wetterbesserung in Sicht war, nutzten wir die kleinen Regenpausen und erforschten die kleine Altstadt so gut es eben ging. Durch Sturzbäche von Wasser watend, von Geschäftsplane zu Geschäftsplane sprintend, bewunderten wir die Überreste der vor etwa 3000 Jahren errichteten alten Stadt. Auch den Wiedergeburtshäuser, den alten Brunnen und Mühlen statteten wir einen sehr kurzen Besuch ab. Durchnässt bis auf die Haut enterten wir unseren Bus, fuhren nach Sozopol zurück und hofften, dass der nächste Tag wieder freundlicheres Wetter brächte.
Nach einer stürmischen Nacht lachte am nächsten Tag wieder die Sonne vom Himmel. Wir nutzten die Zeit und machten einen kleinen Ausflug zur Ropotamo Mündung. An der Außengrenze der Europäischen Union gelegen, einen Steinwurf von der Türkei entfernt, ist typisches bulgarisches Landleben angesagt. Wir machten eine kleine Wanderung und ließen es uns dann unter Kiwilauben bei Köstlichkeiten gut gehen.

Bulgarien Ropotamo Muendung_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Ropotamo Muendung_Copyright Veronika Holzinger

Am Nachmittag besuchten wir das Reservat „Ropotamo“, charterten ein Boot und schipperten bis zur Mündung am Meer. Rund 250 Tierarten leben hier, davon sind bereits 71 Arten bedroht. Teile des Flusses weisen durch die einbrechenden Meeresströmungen Süß- und Salzwasser auf. Aufgrund des hohen Fischanteils können hier zahlreiche Vögel beobachtet werden. Vom Schiff aus sieht man auf das Gesteinsphänomen „Der Löwenkopf“. Die Silhouette des Gesteinsgebildes ähnelt der eines Löwen, der der Legende nach einen Schatz bewacht.

Bulgarien Ropotamo Reservat_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Ropotamo Reservat_Copyright Veronika Holzinger

Nach diesem ereignisreichen Tages betteten wir noch einmal unser Haupt in Sozopol und am nächsten Morgen ging es über die Autobahn Richtung Plovdiv.
Plovdiv, auf sechs Hügeln am Fluss Mariza gelegen, liegt in uraltem Siedlungsgebiet und ist nicht nur die zweitgrößte Stadt Bulgariens, sondern eine der ältesten Städte der westlichen Welt. Älter als Athen oder Rom, stolpert man bei einem Altstadtspaziergang über Überbleibsel von den Thrakern über die Römer bis hin zu den Türken und der bulgarischen Wiedergeburt.

Bulgarien Plovdiv_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Plovdiv_Copyright Veronika Holzinger

In Plovdiv verschmilzt Antike mit Mittelalter, treffen Renaissance und Barock auf Elemente des Orients und Jugendstils. Hier wurde die erste Weihnachtsliturgie auf bulgarisch gehalten, hier fand die Loslösung vom griechischen Patriarchat statt und die Gründung einer unabhängigen bulgarisch-orthodoxen Kirche. Wer nach den vielen Besichtigungen noch Lust und Zeit hat, kann in Plovdiv beim Shopping so richtig zuschlagen. Hier gibt es die aktuellste Mode und so chic gekleidete Menschen wie hier, sind nicht einmal in Sofia zu sehen.

Bulgarien Plovdiv_Copyright Veronika Holzinger

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Die Nacht in Plovdiv verbrachten wir im Hotel „Leipzig“, das von außen stark an die Zeiten des ehemaligen Ostblocks erinnert. Die Zimmer sind neu renoviert und nach Boutique-Hotel-Art eingerichtet. Dimitri, unser Fahrer, wurde total grantig, als er erfuhr, dass freies WiFi nur in der Hotellobby und nicht auf den Zimmern zur Verfügung stand. Wir waren froh, dass, wie in allen von uns gebuchten Hotels in Bulgarien, freies WiFi vorhanden war und wir die Möglichkeiten hatten, unsere E-Mails abzurufen.

Bulgarien Plovdiv_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Plovdiv_Copyright Veronika Holzinger

Unsere Reise neigte sich dem Ende zu. Wir mussten zurück nach Sofia, denn am nächsten Tag sollte am späten Nachmittag unser Flugzeug nach Wien starten.
In Sofia angekommen, nahmen wir wieder Quartier im Hotel Crystal Palace und machten uns sofort auf, den Rest von Sofia zu erforschen. Wir machten eine große Runde und schlenderten vom Hotel bis zur Banja-Baschi-Moschee und zur Zentralmarkthalle, besichtigten die kleine Kirche Sweta Petra Samardschijska mit ihren gut erhaltenen Wandmalereien und die „Rotunde Sweti Georgi“, das älteste Gebäude Sofias. Nach einem Spaziergang über die Haupteinkaufsstraße Sofias nahmen wir die U-Bahn und fuhren zurück zu unserem Hotel.
Dort warteten schon unsere bulgarischen Freunde, die aus den Rhodopen zurückgekehrt waren und noch einmal ging es zu einem fulminanten Abendessen.

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Da an unserem Tag des Abfluges noch genügend Zeit war, beschlossen wir die Kirche von Bojana zu besuchen. Am Fuße des Nationalparks Vitoscha gelegen, bilden drei Kirchen eine sakrale Einheit. Die 1979 in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes aufgenommene Kirche besitzt mehr als zweihundert Wandmalereien aus den verschiedensten Epochen. Die Architektur stammt aus dem 9. bis 11. Jahrhundert, die Wandmalereien zählen zu den bedeutendsten Zeugnissen altbulgarischer Malerei.
Nicht weit entfernt von der Kirche von Bojana liegt das Nationale Historische Museum im ehemaligen Präsidentenpalast. Neben Gegenstände von der Frühgeschichte bis zur Gegenwart zählen der Goldschmuck aus dem Gräberfeld von Warna und der Goldschatz von Panagjurischte zu den absoluten Highlights.

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

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Unsere Freunde wollten uns unbedingt noch das Kloster zur Heiligen Maria Vitoshka zeigen, das idyllisch mitten im Wald liegt. Hier beten die Menschen nach wie vor zur Heiligen Maria, hier fand der Revolutionär Vasil Levski Zuflucht vor seinen Verfolgern. Heute ist das 1341 gegründete Kloster nationales Kulturdenkmal und ein beliebter Ausflugspunkt.

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Zum Abschluss genossen wir noch einmal bulgarische Gastfreundschaft. Im Restaurant „Vodenitzata“ wurden noch einmal die Spezialitäten der bulgarischen Küche aufgefahren, bis sich der Tisch bog und wir heimlich nach dem Essen den obersten Hosenknopf öffnen mussten, damit wir nicht platzten.

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Bulgarien Sofia_Copyright Veronika Holzinger

Es war Zeit Abschied zu nehmen, Dimitri brachte uns zum Flughafen und wir verabschiedeten uns von unseren Freunden, die uns so liebevoll einen Teil ihres Landes näher gebracht hatten.

Liebe Freunde! Wir sagen herzlichen Dank für Eure Gastfreundschaft, für die Zeit, die Ihr uns gewidmet habt und die vielen Mühen, die Ihr auf Euch genommen habt, um uns Euer schönes Land zu zeigen. Auf ein baldiges Wiedersehen in Österreich!

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