Mit dem Wohnmobil quer durch das Baltikum – Litauen

Mit dem Wohnmobil quer durch das Baltikum – Litauen

Fotos: Litauen, ©H. & V. Holzinger
Wussten Sie, dass sich das Gebiet des ehemaligen Litauens, nach der Vereinigung mit Polen, um 1400 bis an das Schwarze Meer erstreckte und zu einem der mächtigsten Reiche in ganz Europa zählte?

Schon in der Steinzeit schätzten die Menschen das Gebiet des heutigen Litauens. Dann kamen die Indogermanen, der Deutsche Orden konnte nicht wirklich Fuß fassen, da die litauischen Fürsten und Polen zu mächtig waren. Im 18. Jahrhundert streckte dann der Zar seine Finger nach dem Land aus, nach zähem Widerstand erlangten die Litauer dann nach dem Ersten Weltkrieg ihre erste Unabhängigkeit, die abrupt 1940 endete. Nach dem Zweiten Weltkrieg unter russischer Herrschaft, bis dann die Litauer und Litauerinnen im Jahre 1990 endlich ihre Eigenständigkeit erreichen konnten. 

Heute ist Litauen mit einer Fläche von rund 65.000 Quadratkilometern die größte Republik des Baltikums, seit 2004 Mitglieder der Europäischen Union und der NATO.  

Wenn du so durch Litauen fährst, merkst du bald, dass der Tourismus ein bedeutender Faktor ist, der dazu beiträgt, das Land wirtschaftlich besser zu stellen. 

Und da hat Litauen auch wirkliche etwas zu bieten. Neben dem Hauptanziehungspunkt Vilnius mit seiner barocken Altstadt sollten Städte-Fans unbedingt einen Besuch von Kaunas einplanen. Für mich eine faszinierende Stadt, am Zusammenfluss von Nemunas und Neris gelegen, die nicht nur über zahlreiche Museen verfügt, sondern auch dank seiner mehr als 700-jährigen Geschichte mit Bauwerken der Gotik und der Renaissance aufwartet. 

Kleiner Hinweis für Wohnmobil-Fans: Da wir die Stadt länger erkundet haben, schlugen wir unser „Lager“ am Kaunas Camp Inn auf, das zwar etwas laut ist, aber eine gute Busverbindung in die Stadt bietet und auch über benötigte Infrastruktur verfügt. 

Aus meiner Sicht ein unbedingtes Muss ist auch ein Besuch der „Stadt auf dem Wasser“, von Trakai, mit seiner mächtigen gotischen Wasserburg und seinem noch immer sehenswerten kleinen Altstadtkern. 

Litauen, ©H. & V. Holzinger

Gesundheitsbewusste werden Druskinikai zu schätzen wissen, in dem einst schon der Zar und der russische Adel die salzhaltigen Mineralquellen nutzten. Das sauber herausgeputzte Städtchen ist touristisch voll erschlossen und ist heute der wichtigste Kurort Litauens. 

Wer hier ein Quartier für sich und sein WoMo sucht, findet den gutgeführten Campingplatz Druskininkai vor, der über sämtliche Infrastruktur verfügt und bei dessen Rezeption auch Kuren gebucht werden können.

Keine Kur, aber viel Strand gewünscht? Da böte sich Palanga an, der größte Kur- und Badeort Litauens an der Ostsee. Hier brummt der Tourismus, hier ist in der Hochsaison Party-Time, aber auch Familien mit Kindern nutzen den kilometerlangen Strand. 

Der wichtigste Ostsee-Ort ist wohl Klaipeda, eine Großstadt, die mit einigen Fachwerkbauten aus dem 17. bis 19. Jahrhundert und dem Brunnen des „Ännchen von Tharau“ aufwartet. Klaipeda ist aber DER Anlaufpunkt der zahlreichen Fähren aus Deutschland und Finnland und für uns besonders interessant, der Fährhafen, von dem die Schiffe zur Kurischen Nehrung ablegen. 

Die an die hundert kilometerlange Landzunge trennt das stille Haff von der Ostsee und ist der bekannteste Nationalpark Litauens. Über Land erreicht man die Kurische Nehrung nur von der russischen Seite aus, da der südliche Teil zur Russischen Föderation gehört. Schon Thomas Mann residierte in Nida, einem kleinen Dorf im litauischen Teil, das heute von Touristen gestürmt wird. 

Aber auf der Kurischen Nehrung gibt es weit mehr zu entdecken, als das Künstlerdorf Nida. Wer mit dem Rad unterwegs ist, fährt von Fischerörtchen zu Fischerörtchen, schaut bei der Kolonie der 10.000 Kormorane vorbei, besucht das mit altem Charme punktende Juodkrante oder die größte Reiherkolonie Europas, die sich ebenfalls bei Jodkrante findet. Besonders Fitte erstrampeln die gesamt Länge der Nehrung mit dem Fahrrad, was aber ganz schön in die Waden geht. 

Von Nida aus erreicht man auch die Parnidder Düne, das Highlight des zum UNESCO-Weltnaturerbe gehörenden Gebietes. Von der großen Sanddüne aus blickt man auf eine Landschaft, die Sahara-Feeling aufkommen lässt. Dahinter glitzert das Blau des Meeres und die Dächer von Nida glänzen in der Sonne – absolut empfehlenswert! 

Litauen, ©H. & V. Holzinger

Für alle WoMo-Fans, die die Naturschönheiten in Ruhe erforschen wollen, bietet sich der Nidos Camping als Stützpunkt an, von dem Nida und die Parnidder Düne zu Fuß zu erreichen sind und der über sämtliche Infrastruktur verfügt. 

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und noch mehr Natur erleben will, ist ebenfalls in Litauen richtig. Ein Drittel des Landes weist dichten Baumbestand auf, rund 2300 Seen, an die 100 Kilometer Küste und in etwa 800 Flüsse stehen für Pritschelvergnügen und sämtliche Wassersportarten bereit. Die sanft hügelige Landschaft lädt zum Wandern, gleich fünf Nationalparks sorgen dafür, dass Naturbegeisterte auf ihre Rechnung kommen. 

Wie wäre es mit einer Bootstour durch einen Teil des Aukstaitija-Nationalparks, der sich entlang der Weissrussischen Grenze erstreckt. Das mit Bächen durchzogene Gebiet weist über 100 Seen, darunter den tiefsten See Litauens, auf, Wander-Fans können auf geführten Routen die dichten Wälder erkunden und auch die kleinen Orte bieten so manchen kulturellen Höhepunkt. 

Wenn man vom Aukstaitija-Nationalpark Richtung Vilnius fährt und noch eine kleine Pause vor der Hauptstadtbesichtigung einlegen will, findet in der Nähe von Moletai den nett gelegenen Obuoliu Sala Campingplatz, der auf einer kleinen Insel untergebracht ist und über sämtliche Infrastruktur verfügt. 

Kurz vor Vilnius liegt dann, mitten auf einem Golfplatz, der Mittelpunkt Europas, der durch eine Säule aus weißem Granit und den Fahnen der europäischen Länder gekennzeichnet ist.

Gleich in der Nähe von Druskininkai befindet sich der Dzukija-Nationalpark, der größte Nationalpark Litauens, der mit seinen dichten Wäldern, Wanderdünen, Naturmooren, Elchen und Wölfen für so manches Naturerlebnis sorgt. 

Wunderschön auch die Strecke entlang des Nemunas, der ehemaligen Memel, die von dem Kurstädtchen Birstonas nach Kaunas, danach nach Jurbarkas und entlang der Russischen Grenze bis zum weit verzweigten Delta des Nemunas in das Kurische Haff geht. Die Tour bietet nicht nur beeindruckende Ausblicke auf die umliegende Landschaft, sie hält auch für Kulturinteressierte das ein oder ander Highlight bereit. Neben alten Holzhäusern warten die alten Schlösser Raudondvaris und Raudonè oder das wuchtige Schloss Panemunè. 

Wer von Klaipeda Richtung Lettland fährt, sollte sich spätestens bei Palanga kurz von dem feinen Sandstrand und dem Meeresrauschen verabschieden und in das Landesinnere einen Abstecher machen. Zwischen Palanga und Siauliai hat man die Qual der Wahl zwischen Natur pur, Schlössern und Schlösschen, alten Bauernhäusern, einen Abstecher zum „Berg der Kreuze“ oder auch „Orvydas’ Garten, wo Kunst und Natur zu einer Einheit zusammenfinden. 

Zum Erkunden der Gegend rund um Salantai bietet sich der Camping Berzoras an, der sehr nett an einem See liegt, sämtliche Ver- und Entsorgung bietet, der aber Punkto Sanitäreinrichtungen schon bessere Tage erlebt hat. 

Litauen_©H. & V. Holzinger

Sollten Sie jetzt Gusto auf ein kühles Bier haben, bietet sich ein Besuch in der „Bierstadt“ Litauens, in Birzai, an. In dem nett an einem See gelegenen Städtchen sind gleich vier Brauereien, die den nötigen „Saft“ gegen Durst herstellen, auch lockt die Schlossburg Radvila zur Besichtigung. 

Rund um Birzai ist wieder Natur angesagt. Hier finden sich mitten in der Landschaft Karsttrichter, in denen sogar einmal eine Kuh eingebrochen sein soll, auch in der Nähe von dem Dörfchen Kirkilai soll einst ein ganzes Pferdefuhrwerk von einer Doline verschluckt worden sein. 

Zum Erkunden der Gegend oder für eine kleine Verschnaufpause bietet sich der Camper Place Lithuania im Örtchen Pajiemenai an, der vis-a-vis eines Sees, bereits im Wohngebiet liegt, familiär geführt wird und über sämtliche Infrastruktur verfügt. 

Was haben wir jetzt vergessen, welche Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten haben wir noch nicht erwähnt? 

Da wäre das Kloster Pazaislis, landschaftlich wunderschön in der Nähe von Kaunas gelegen und mit prächtigem litauischen Barock aufwartend. 

Oder das Freilichtmuseum Rumsiskes, in dem man auf einer kleinen Rundwanderung tief in die Geschichte Litauens eintauchen kann. 

Auch das farbenfroh herausgeputzte Städtchen Kedainiai fällt uns da ein, oder das romantisch gelegene Anyksciai. 

Grutas-Park sollte besucht werden, aber auch die Holzkirche bei Stelmuze, bei der kein einziger Nagel verbaut wurde, ein Spaziergang durch Europos parkas und, und, und …. sind sicher Highlights, die man sich nicht entgehen lassen sollte. 

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