Glühbirnenverbot – Segen oder Fluch?

Glühbirnenverbot – Segen oder Fluch?
Glühbirnen

Glühbirnen

Die Ökodesign-Richtlinie der EU gibt den Zeitplan vor: Klare Glühbirnen über 40 Watt sind ab dem 1. September 2011 nicht mehr im Handel erhältlich. Bereits gekaufte Lampen dürfen aufgebraucht und Lagerbestände in Geschäften abverkauft werden.

Der sanfte und schrittweise Übergang, der seit 2009 vollzogen wurde, endet abrupt mit September 2012. Ab diesem Zeitpunkt ist die Glühlampe endgültig Geschichte.

Kaum ist das Glühbirnenverbot zum 1. September in Kraft, erhöhen die Lichthersteller, Osram und Philips drastisch die Preise für Leuchtstoffröhren und Energiespar-Lampen und zwar um 20 – 25%. Schuld daran ist Chinas restriktive Exportpolitik, was die benötigten Rohstoffe betrifft, den sogenannten Seltenen Erden. China kontrolliert ca. 90% der weltweiten Abbaugebiete, hat aber nur 30% der weltweiten Vorkommen. „Die zunehmende globale Knappheit dieser Materialien hat zu einer Kostenexplosion geführt“, heißt es von Osram. Bis jetzt war es unwirtschaftlich, die Metalle der Seltenen Erden abzubauen, da ja China den Markt mit Dumpingpreisen überschwemmt hat.

Der extreme Preisanstieg bei seltenen Erden zwingt also die Lichthersteller zu drastischen Maßnahmen. Man könnte fast glauben, dass die Hersteller von Energiespar-Lampen das Glühbirnenverbot für unzumutbare Preiserhöhungen ausnutzen. Natürlich betont man, dass es keinen Zusammenhang zwischen Preiserhöhung und Glühbirnenverbot gebe.

Das Glühbirnenverbot war von Anfang an umstritten und ist Anlass unzähliger Diskussionen über Klimatechnische, Energieeffizienz und nicht zuletzt auch Gesundheitspolitische Fragen. Vielen gilt das Verbot als Inbegriff der Brüsseler Regelungswut, zwar angesichts der Klimasituation der Erde aus verständlichen Gründen, aber einseitig und vielleicht kurzsichtig durchgeführt. Der Konsument sieht sich seiner Wahlfreiheit und Entscheidungsfähigkeit beraubt.

Nach Berechnungen der EU-Kommission werden durch das Aus der Glühbirne jährlich 15 Millionen Tonnen klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) eingespart. Doch wie sieht es mit der Ökobilanz für die Produktion und Entsorgung alternativer Energiesparen-Lampen und LEDs aus?

Ein klares Ja bekommt die Glühbirne für Produktion und Entsorgung. Die Materialien, die zur Herstellung einer Glühbirne benötigt werden, sind keine Problemstoffe und sind leicht zu entsorgen. Der Energiebedarf für die Fertigung einer Glühlampe soll bis zu 40 mal geringer als der einer so genannten Energiespar-Lampe sein. Wenn man sich die Werte von Leistungsaufnahme und Leistungsabgabe ansieht, ergibt sich bei Glühlampen allerdings ein großer Unterschied im Wirkungsgrad, also dem Energieverlust bei der Wandlung der elektrischen Energie in andere Energiearten. Z.B. nimmt eine 60W Glühlampe 60 Watt Strom auf, gibt aber nur ca. 3 Watt (etwa 5%) an sichtbarem Licht ab, der Rest ist Wärme. Die Glühlampe ist also der bessere Ofen als eine Lichtquelle.

Ein Detail am Rande bemerkt ist eben dieser Heizeffekt von Glühlampen. Wenn diese aus unseren Wohnzimmern verschwinden, müssen wir für die Differenz zusätzliche Heizkosten aufbringen. Der Glühbirnen-Ersatz ist ein Segen im Sommer, aber unerfreulich im Winter. Natürlich ist uns klar, dass eine Glühbirne eine uneffiziente Heizung ist.

Auf der anderen Seite die Energiespar-Lampe, die mehr als das 5-fache an Licht abgibt und eine 8-10 mal längere Lebensdauer hat. An sich eine gute Bilanz, wäre nicht das Problem mit dem flüssigen Quecksilber, das bei Lampenbruch ausdampft und erhebliche Störungen im menschlichen Organismus anrichten kann, ganz zu schweigen davon, dass schon bei der Herstellung umfangreiche Schutzmaßnahmen erforderlich sind. Das gilt noch in größerem Umfang für die umweltgerechte Entsorgung. Auch da ist es sinnvoll zu Marken zu greifen, die Sicherheitstechnisch mehr zu bieten haben. Neuwertige Energiespar-Lampen mit Amalgam dampften bei Bruchtests deutlich weniger Quecksilber aus als Lampentypen mit anderer Quecksilbertechnik, heißt es in einer Mitteilung des deutschen Umweltbundesamtes. Ein Versuch an einer Lampe mit Splitterschutz, bei der die Leuchtröhre innen zerbrochen war, aber die äußere Hülle intakt blieb, zeigte keine Quecksilber-Freisetzung in die Umgebungsluft. Zur Zeit gibt es nur einen Hersteller dieser Sicherheits-Sparlampen.

Was die Lichtfarbe betrifft, können Energiespar-Lampen die Glühlampe nur schwer ersetzen, da das warmweiße Licht, das bei Glühbirnen ca. 2700 Kelvin beträgt, nur über einen Umweg hergestellt werden kann. Hier kommt es auf die Fertigungstoleranzen bei der Beschichtung der Lampen an, die bei Billig- Produkten ziemlich hoch sein kann. Also warmweiß ist nicht gleich warmweiß. Auch hier kann man leider nur auf die Hersteller Angaben vertrauen, wobei man am ehesten auf die Aussagen von namhaften Firmen setzt.

Glühbirnen haben annähernd das selbe Spektrum wie die Sonne, dafür sind wir gebaut. Energiespar-Lampen haben ein unregelmäßiges Linienspektrum mit problematischen Energiespitzen im Blaubereich, der Rotbereich ist nur abgeschwächt vorhanden. Das kann zu langfristigen Schäden der Netzhaut führen, Experten sind sich darüber noch nicht einig.  Klar ist, sonnenähnliches Licht bekommen wir auf so einfache Art, wie es die Glühbirne zu Verfügung gestellt hat, jedenfalls nicht mehr.

Zu beachten ist der Farbwiedergabeindex, RA oder CRI, mit dem die Farbwiedergabegenauigkeit angegeben wird. Der RA bei einer Glühbirne beträgt den besten Wert 100, bei Energiespar-Lampen ist er 80, bei LED und Leuchtstoffröhren kommt er schon auf 80 – 90. Dieser Wert sollte auf jeden Fall auf der Verpackung stehen, da dieser die Güte der Farbwiedergabe garantiert. Natürlich ist das Farbsehen eine persönliche Sache und durch Sprache, Tradition und Denken bedingt aber ein reduziertes Farbspektrum kann man nur schwer wegdiskutieren.

Unser Fazit lautet daher, dass die Glühbirne ist verdammt worden, obwohl sie nur zwei Fehler hat und dies sind ihr Wirkungsgrad und ihre Lebensdauer. Für den Ersatz muss man sich momentan durch den fast undurchdringlichen Dschungel an neuen Leuchtmittel kämpfen, wobei man am besten zu qualitativ hochwertigen und damit leider auch teuren Produkten greifen sollte.

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