„Schöner Wohnen im Roten Wien“ – Sonderausstellung im Waschsalon

Wenn das Wetter nicht so prickelnd ist, kann ja ein kleiner Ausstellungsbesuch eingeplant und ein Blick auf das Leben in eine Zeit, die noch gar nicht so lange zurückliegt, geworfen werden, in der Wohnraum zum absoluten Luxus zählte.

Bei der bis 17. Dezember 2023 laufenden Sonderausstellung „Schöner Wohnen im Roten Wien“ im Waschsalon Karl-Marx-Hof werden auf die Lebensumstände um 1900 eingegangen, wo „Gangküchenwohnungen“, die ohne WCs, fließendes Wasser und Elektrizität auskommen mussten.

Auf kleinstem Raum lebten sechs und mehr Bewohner, einzelne Betten wurden „Bettgehern“ zum Schlafen angeboten und Untermieter verhalfen dazu, dass die Miete bezahlt werden konnte.

1922 wurde vom damaligen Finanzstadtrat Hugo Breitner nicht nur eine Mietzinsabgabe, die 1923 in eine zweckgebundene Wohnbausteuer umgewandelt wurde, auch ein Punktsystem eingeführt, das Wohnungswerber nach Dringlichkeit einstufte, um eine der in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts errichteten Wohnungen zu erhalten.

Alle errichteten Wohnungen hatten zwischen 38 und 48 Quadratmeter, ein WC, Wohnküche, ein oder zwei Zimmer und einen kleinen Vorraum.

Für Mieter, die eine Wohnung zugewiesen bekamen, gab es eine strenge Hausordnung, die tief in das Alltagsgeschehen eingriff.

Vom Teppichklopfen bis zu begrenzten Zeiten, in den Kleidung ausgeklopft werden durfte, von richtiger Fußbodenpflege bis zu dem allgegenwärtigen Haustierverbot reichten da die Richtlinien, deren Einhaltung auch kontrolliert wurde.

In den späten 20er Jahren wurden die Wohnflächen größer gestaltet, die frühere Wohnküche wurde zur Kochküche, stattdessen der Wohnbereich vergrößert.

Um den Wohnkomfort zu erhöhen und der „proletarischen Wohnung eine eigene Form, einen eigenen Stil und eine eigene Kultur“ zu geben, so 1930 die Journalistin Marianne Pollak, wird 1922 die „Warentreuhand“ gegründet, die die Aufgabe hat, „jedem, der Hausrat, Möbel, Heiz- und Beleuchtungskörper kaufen will, mit Rat an die Hand zu gehen“.

Im Jahre 1930 wird dann die eigene Beratungsstelle „Best“ für Inneneinrichtung und Wohnungshygiene im Karl-Marx-Hof eingerichtet, um Mietern eine vollständig eingerichtete Musterwohnung zu präsentieren, die von einer eigenen Prüfungskommission zusammengestellt wurde.

Die von Otto Bauer bereits 1919 geforderte Befreiung der Frau von der häuslichen Arbeit und die Eingliederung in den Arbeitsprozess, greift in Wien nicht, da dank günstiger Mieten die „neue Frau“ zur Hüterin der Familie und Wohnung wird und sogar das Magistrat im Jahre 1928 der Meinung ist, dass „Der Fußboden der Stolz jeder Hausfrau sein soll“.

Interessierte können auch an speziellen Terminen an im Freien abgehaltene Führungen teilnehmen und danach eigenständig die interessante Ausstellung besuchen.

Schöner Wohnen im Roten Wien
Bis 17. Dezember 2023
Öffnungszeiten: Donnerstag von 13 bis 18 Uhr, Sonntag von 12 bis 16 Uhr

Waschsalon Nr. 2, Karl-Marx-Hof
Halteraugasse 7, 1190 Wien

Nähere Details unter www.dasrotewien-waschsalon.at.

Foto: Schöner Wohnen im Roten Wien, Interieur, 1928, by WStLA, koloriert

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