Unterwegs in Norwegen-we were hunting the light – Teil 2

Unterwegs in Norwegen-we were hunting the light – Teil 2
Norwegen - Sonnenlicht

Norwegen – Sonnenlicht

Wir waren mit Hurtigruten unterwegs, auf einer der schönsten Seereisen der Welt, um das Nordlicht zu finden. In Teil 1 unseres Berichtes schafften wir es, über den Polarkreis, bis nach Bodö, dem Verwaltungszentrum der Provinz Nordland. Im zweiten Teil dieses Reiseberichtes wollen wir es bis Kirkenes, ein kleines Städtchen knapp an der russischen Grenze, schaffen.

Wir legten in Bodö ab und das Schiff fuhr, immer zwischen den Schären, in den Landegofjorden. Ja, und dann kam die offene Seestrecke Vestfjorden. Die doch sehr wellige Rumpelpiste ließ die ersten Passagiere nach dem berühmten Sackerl greifen. Tropfen und Pulverl gegen Reisekrankheit wurden geschluckt – manchmal half es, manchmal leider nicht. Aber nach drei Stunden war der Spuk vorbei und wir hatten Stamsund erreicht. Der kleine Aufenthalt in Stamsund beruhigte einige Magennerven und die Weiterfahrt nach Svolvaer verlief in „sackerlfreier“ Atmosphäre.
Svolvaer befindet sich auf 68° nördlicher Breite, liegt nördlicher als Island und die nördlichen Teile von Kanada und Alaska, dennoch beträgt die Durchschnittstemperatur im Jänner und Februar plus 1,8 Grad Celsius.

Wir hatten am Vormittag noch einmal bei der Reiseleitung nachgefragt, ob wir nicht doch auf die erste Essensitzung wechseln könnten. Der Reiseleiter meinte, wir könnten es noch einmal bei der Chefin des Speisesaals probieren. Hurtigruten hätte am Anfang der Reise mit 28 Personen gerechnet und für diese Anzahl von Passagieren wäre auch das nötige Personal an Bord. Da durch den Motorschaden der MS Polarlys jetzt 128 Passagiere mehr an Bord seien, Hurtigruten aber nur zwei zusätzliche Angestellte bereitgestellt hätte, wäre durch den Personalmangel ein Wechsel fast unmöglich. Nun, wir sprachen mit der Chefin des Speisesaal und bekamen den „allerletzten Tisch“ für unsere Freunde und uns.

Somit konnten wir in Svolvaer kurz das „Magic Ice“ besuchen. In einer 500 m2 großen Halle wird das Leben der Menschen auf den Lofoten in riesigen, beleuchteten Eisskulpturen festgehalten. Wir staunten und beschlossen, am Rückweg, wenn wir mehr Zeit hätten, wieder zu kommen.

[nggallery id=78]Wir verließen Svolvaer und fuhren durch einen der eindrucksvollsten Streckenabschnitte der ganzen Seereise – dem Raftsund. Der Raftsund ist die Grenze zwischen den Inselgruppen der Vesteralen und Lofoten und landschaftlich ein Traum. Eng, von Bergen eingerahmt, Mondlicht, selbst Unromantische bekamen ein Glänzen in den Augen. Am Außendeck wurde von der Mannschaft „Trollfjordknert“, eine norwegische, flüssige, Spezialität, serviert und die Stimmung war, trotz Kälte, am Höhepunkt.

Früh am Morgen legte das Schiff in Harstad an. Durch die Erdölförderaktivitäten vor der nordnorwegischen Küste soll Harstad in Zukunft die neue Ölmetropole in dieser Region werden.

Vorbei an der nördlichsten Steinkirche Norwegens,der Trondenes Kirche, 1250 in romanisch-gotischem Stil erbaut, schipperten wir in nordöstlicher Richtung den breiten Vagsfjord hinauf, Richtung Finnsnes. Bei Finnsness verbindet die Gisundbrücke, eine der längsten Pfeilerbrücken der Welt, die Insel Senja mit dem Festland. In Finnsness wurden schnell Waren ein- und ausgeladen und dann ging es weiter Richtung Tromsö.
[nggallery id=79]Das anstrengendste Hindernis für die Schiffe der Hurtigruten war vor Tromsö noch zu bewältigen – der Rystraumen. In der Fahrrinne der Schiffe kann der Rystraumen eine Geschwindigkeit bis zu sechs Knoten erreichen, je nach Gezeitenstand, und bestimmt so die Fahrgeschwindigkeit des Schiffes mit.

[nggallery id=80]Tromsö, die Pforte zum Eismeer war erreicht. Mit seinen ca. 68.000 Einwohnern ist sie die größte Stadt des hohen Nordens und gleichzeitig die flächengrößte Stadt Europas. Von hohen Berggipfel umrahmt, mit seinen alten Holzhäusern und der berühmten Eismeerkathedrale ist Tromsö eines der Highlights der Reise. Von hier startete Fridtjof Nansen mit der „Fram“ und Roald Amundsen schaute mit der „Gjöa“ und der „Maud“ vorbei. Ihm wurde im Hafen ein Andenken in Form einer Statue gesetzt. Der neugotische Dom ist eine der größten Holzkirchen Norwegens und nach so viel Besichtigung kann man sich ein kleines Bierchen in der nördlichsten Brauerei der Welt gönnen.

Wir verließen Tromsö und dann glitzerten die Bergspitzen und Gletscher der Lyngen-Alpen im Mondlicht. Und dann war es soweit – wir sahen das erste Nordlicht. Zuerst ganz fein, dann aufbauend zu einer Säule oder einem Bogen und dann wieder weg. Immer wieder und wieder und wieder – total faszinierend. Am Außendeck sah man auf einmal Passagiere, die sonst nie an Deck waren, alle auf der Jagd nach dem besten Motiv. Tja, dann kam eine Wolkenfront und vorbei war es für diese Nacht. Wir geben zu, es gibt stärkeres und bunteres Nordlicht, aber für uns war es eine Prämiere und damit war es für uns ein superstarkes Nordlicht – Punkt – Basta.

[nggallery id=81]Ein kurzer Halt in Skjervöy, die Wiege der Zivilisation in Nordnorwegen, mit seiner alten Holzkirche und dann schnell in die Kabine und waagrecht hingelegt. Es stand wieder eine offene Meerstrecke bevor – Loppa.

Diesmal rumpelte es besonders arg, wir kamen uns wie auf einem Trapez vor, so hüpften wir im Bett auf und ab. Aber irgendwann kamen wir wieder in ruhigere Gewässer und am Vormittag hatten wir einen kleinen Zwischenstopp in Havöysund, ein traditionsreiches Fischerdorf.

[nggallery id=82]Durch ruhigere Gewässer ging es einem der Höhepunkte der Reise entgegen – dem Nordkap. Bei der Landung in Honningsvag begann es zu schneien, riesige Flocken fielen vom Himmel.
[nggallery id=76]Das Nordkap – der nördlichste Punkt Europas – liegt 307 Meter über dem Meer und ist heute über eine Straße erreichbar. Vor Erbauung der Straße mussten die Touristen 1.008 Stufen von Hornvika aufsteigen, um diesen Punkt zu erreichen. Im Konvoi, voran ein Schneepflug, nur so ist die Zufahrt im Winter gestattet, fuhren wir im Dämmerlicht durch eine Traumlandschaft. Wir hatten riesiges Glück. Der Schneefall hatte aufgehört und das Nordkap präsentierte sich von seiner schönsten Seite. Rosa Licht, Mond am Himmel, sternenklar – einfach fantastisch. Wir besuchten noch die Nordkap-Halle, die eine Kapelle, ein Museum, natürlich ein Shop, ein Kaffeelokal und einen Kinosaal besitzt, in dem ein gut gemachter Film über die Jahreszeiten rund um das Nordkap läuft.
Durch die Polarnacht fuhren wir im Konvoi wieder zum Schiff, tief beeindruckt von den Naturschönheiten Norwegens.

[nggallery id=73]Wir verließen Honningsvag, überquerten den Porsangerfjord und passierten die prächtig angestrahlte Klippe „Finn-Kirche“. Früher ein Opferplatz der Samen, die dafür dankten, ruhige Gewässer erreicht zu haben, heute schlicht und einfach eine der schönsten Klippen Norwegens. Ein kleines Boot legte sich neben die MS Nordnorge und brachte frische Königskrabben, die später beim Abendessen serviert wurden.

Wir legten kurz in Kjollefjord, einem kleinen Städtchen mit 1.300 Einwohnern an. Ab hier startete für die Passagiere, die noch genug Energie hatten, die Fahrt mit dem Schneescooter durch das verschneite Lappland.

Kurz vor dem Anlegen in Mehamn passierte die MS Nordnorge den nördlichsten Punkt des europäischen Festlandes – Nordkynn. Ab sofort befanden wir uns nicht mehr auf dem europäischen Nordmeer, sondern auf der Barentssee. In Mehamn kamen die Schneescooterfahrer wieder an Bord und schon ging es weiter Richtung Berlevag. Über Bordlautsprecher wurde durchgegeben, dass mit Nordlicht zu rechnen sei und kein Passagier dachte auch nur im entferntesten daran, schlafen zu gehen. Und dann war es wieder da – das Nordlicht. Es wabberte grün am Himmel entlang, in Schlaufen, in Streifen, quer über den Nachthimmel, immer begleitet durch den Mond – ein dramatisches Naturschauspiel, dass schon den Wikingern Angst einjagte. Kurz vor Berlevag zogen wieder Wolken über den Himmel und das Nordlicht verschwand.

[nggallery id=77]Da in Berlevag nur 15 Minuten Aufenthalt waren, nutzten wir die Zeit und gingen schlafen, denn am nächsten Tag sollten wir am Vormittag Kirkenes, den Umkehrpunkt unserer Reise erreichen.

Kirkenes, im Osten weniger als 10 km von Russland und im Süden rund 35 km von Finnland entfernt, ist heute Heimat von Menschen aus etwa 40 Ländern.
Hier schieden sich wieder die Meinungen. Einige wollten zur Russischen Grenze, andere machten eine Schneemobil-Safari, wieder andere besuchten das Schneehotel oder fuhren mit dem Hundeschlitten. Der Rest machte einen Spaziergang durch die Stadt, vorbei an der Andersgrotte zum Stadtzentrum, weiter zum Grenzlandmuseum und zum Savio-Museum. Nach einem Spaziergang kommt man zum Aussichtspunkt Prestefjellet, von dem man einen guten Blick über Kirkenes und Fjord hat.

Als alle Passagiere wieder glücklich an Bord gelandet waren, begann die MS Nordnorge die Rückfahrt.

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